kastrationsgefährdet
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Ein moderner Begriff aus der musikgeschichtlichen Forschung, der sich allerdings nur intern durchgesetzt hat:
Da Frauen in der Kirche zu schweigen hatten, brauchte die katholische Kirche über Jahrhunderte männliche Sopran- und Altstimmen, und dies nicht nur vereinzelt sondern flächendeckend. Schwer vorstellbar, aber wahr: Bis zu 3000 Jungen wurden Jahr für Jahr kastriert, um den Bedarf zu decken. Damit war in Italien in der frühen Neuzeit potentiell jeder Junge mit einer schönen Stimme und musikalischer Begabung kastrationsgefährdet.
Was man lange vermutet hatte, ist mittlerweile durch entsprechende Dokumente belegt: Die Jungen waren um so mehr kastrationsgefährdet, wenn sie ein hübsches Gesicht und eine ansprechende Figur hatten. Denn manche junge Dame wurde bereits beim Anblick eines Kastraten schwach. Wenn er dann zu singen begann, konnte er obsessives, intimes Begehren wecken. Und die adeligen unter den jungen Damen hatten Mittel und Wege, sich auch ausgefallene Wünsche zu erfüllen und geeignete Jungen entsprechend „auf den Weg zu bringen“.