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Nun war auf Mora ein Notfall eingetreten, wegen einer verunglückten Sprengung musste ich als Paläontologin so rasch es ging zugegen sein. Es blieb keine Zeit, mich zu erklären. Noch bin ich nicht Paläontologin, noch ist mein Studium nicht beendet. Ob es es überhaupt je beenden werde!
Zusammen mit Helfern aller Art stapfe ich die Schlucht hoch, die von Puertamora hinauf zum Krater führt. Ich höre Schreie, Schreie von Menschen, womöglich von Verschütteten.
Es ist wahr, Sprengungen interessieren mich, weil dabei versteinerte Flugechsen und dergleichen aus Urzeiten zutage treten. Selten genug. Was soll ich aber Verschüttete bergen und verarzten helfen? Habe nur an der Uni einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert.
Es waren Gänseschreie. Gänse, fett, unversehrt, watschelten den Pfad herab.
Eine von einer Sprengung aufgescheuchte Gänseschar.
Ich musste lachen, und wachte auf.
Dann ging es weiter.
Mein Gelächter war ganz verfehlt!
Mit Gesichtern allergrößter Besorgnis wiesen meine Begleiter auf eine Felswand, die matt glänzte.
Wenn im frischen Granitbruch überall kleinste Kristalle glänzen und glitzern.
Dann sah ich, was diese Besorgnis auslöste, weshalb man mich überhaupt aus der Guajira eingeflogen hatte.
Es könnte eine alte römische Ehrentafel sein, die durch die Sprengung freigelegt worden war. Eine dieser Tafeln, auf denen Cäsaren ihre Taten und Untaten verewigen. Schön gerahmt: oben ein Giebel, links und rechts Säulen. Keine Inschrift! Wo eine Inschrift sein müsste, war alles glatt und eben und wie frisch poliert.
Eine Paläontologin ist doch keine Archäologin! Musste ich, schließlich ganz erwacht, denken. Im Traum dachte ich nichts dergleichen, fühlte vielmehr auch Befremden und Entsetzen, ganz wie meine Begleiter.
16:05:21 COT
Freitag, 19. Januar 2018
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