Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Bratschenspielerin«
ruecker42 schrieb am 11.9. 2016 um 20:08:28 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Das Kaffeehaus war zu ihrer Freude recht leer, obwohl es ja um die Mittagszeit war und sie mit vielen Menschen gerechnet hatte. Einzelne Personen saßen weit verstreut an den Tischen in den recht großen sonnendurchfluteten Sälen, sie registrierte nur drei Tische mit zwei Personen.
Sie setzte sich an einen leeren Tisch an einem der großen Fenster, achtete darauf daß ihr Bratschenkoffer auf einem Stuhl im Schatten der Tischplatte zu liegen kam und bestellte, als der Ober beiläufig an ihrem Platz vorbeikam, mit leisen Worten einen Einspänner. Der dritte Satz hatte auch auf sie irgendwie befreiend gewirkt, aber sie mißtraute diesem Gefühl ein wenig. Den Cellisten beneidete sie nicht um seinen Auftritt am Nachmittag, alleine die Auswahl des Barber-Adagios hatte für sie einen billigen Geschmack - Staatstrauer, verordnete Betroffenheit, sie überlegte, wer da eigentlich für die Musikauswahl verantwortlich war, aber bald ließ sie sich von den Schatten der geflochtenen Stuhlsitzflächen auf dem Parkettboden in den Bann ziehen und verwarf die Überlegung. 334 helle Flächen zählte sie in den netzartigen Linienmustern, dann kam der Einspänner und sie beobachtete das langsame Spiel der Farben im Glas an der Grenze zwischen Mokka und Schlagobers. Sie beschloß, daß dies ein guter Tag sei...
Sandra klaute sich einen Text und schrieb am 14.9. 2016 um 09:06:19 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Immer wieder belustigte sie das kleine Ritual am Anfang des Konzerts, der Dirigent und der Konzertmeister begrüßen sich mit Handschlag, stellvertretend für alle, also auch Sie, die Bratschistin in der zweiten Reihe (rechts ein Kollege von den zweiten Geigen, links eine Kollegin, hinter ihr die Oboen) und alles war eitel Sonnenschein. Dabei waren die Proben anstrengend gewesen und man war sich ein wenig auf die Nerven gegangen - als ob nicht bereits alles über die Phrasierungen der Orchesterfassung der verklärten Nacht gesagt worden sei. Im privaten Kreis mochte sie das Streichersextett gerne spielen, aber bei der Orchesterfassung war sie meist unruhig obwohl sie ihren Part sicher beherrschte.
»Nach dem Konzert streben die Musiker auseinander wie dir Finger einer Hand«, auf diesen Spruch erwiderte sie immer ganz trocken daß ja wohl jeder noch immer seine fünf Finger an der Hand beieinander habe. »Oder? Schauen's doch selbst.« fügte sie manchmal keck hinzu, wenn ihre Gesprächspartenr ihr auf die Nerven gingen. Es stimmte wohl, sie war nie besonders gesellig, aber sie hatte diesen Spruch von wild dahergelaufenen Gästen auf einer Feier nach dem schon fast rituellen »Und was machen sie so wenn ich fragen darf?« nun schon zu oft gehört. Bratschistin bei den Wiener Philharmonikern, das löste oft Respekt aus, brachte aber auch himmelschreiende Klischeevorstellungen zum Vorschein, die sie nun einmal nicht bedienen wollte. Sie mied daher diese Feiern und Empfänge und streifte stattdessen lieber durch die ihr vetrauten Gassen von Wien, ihren Bratschenkoffer als treuen Begleiter.
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