Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Wegwerfgesellschaft«
mcnep schrieb am 8.12. 2006 um 10:38:26 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Immer, wenn ich unseren Mülleimer entleere, der vielmehr ganz zeitgemäß aus vieren besteht (einer für Stinkmüll, zwei für Recyclebares, einer für undefinierbaren Klumpatsch), wenn ich also die vier kleinen Eimer, oder auch nach Tüten zusammengefasst eine Tüte Normal– und eine Tüte Recyclemüll vor das Haus gebracht und in die betreffenden Tonnen gegeben habe, denke ich mit einem jenem satten Gefühl der Befriedigung, der vollbrachte haushaltliche Tätigkeiten besonders dann begleitet, wenn sie eher eine gelegentliche Ausnahme im Tageslauf darstellen: »Hurra, das Haus hat wieder geschissen.«
wuming schrieb am 20.8. 2010 um 09:23:04 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Der Wegwerfmensch Fuer jedes Phaenomen wird es je nach Standpunkt des Betrachters unterschiedliche Erklaerungen geben. Aber unabhaengig von den Erklaerungen, die man fuer das hier beschriebene Phaenomen anbieten kann, bleibt die allen Erklaerungen zugrundeliegende Tatsache, dass sich nachhaltige Veraenderungen vollzogen haben und dass diese Veraenderungen darauf zurueckzufuehren sind, dass der Mensch seine Identitaet zunehmend in solchen Formen der Selbstkonstituierung findet, die nicht an Schriftkultur und schriftkulturelle Bildung geknuepft sind. Mit dem allmaehlichen Verzicht auf Lese- und Schreiberfahrungen und dem Aufkommen anderer Kommunikations- und Rezeptionsformen ist der Mensch noch einer weiteren Strukturveraenderung unterworfen: der Verlagerung von Zentralismus auf Dezentralismus, von einem zentripetalen Existenz- und Handlungsmodell, in dessen Mittelpunkt das traditionelle Wertsystem (religioese, aesthetische, moralische, politische Werte usw.) steht, zu einem zentrifugalen Modell: von einem monolithischen zu einem pluralistischen Modell. Der Verlust des Zentrums bedeutet paradoxerweise, dass der Mensch auch seine zentrale Rolle und seinen Bezugswert verliert. Das fuehrt zu einer dramatischen Situation: Wenn die menschliche Kreativitaet den begrenzten Vorrat an Ressourcen (Mineralien, Energie, Nahrungsmittel, Wasser usw.) dadurch auszugleichen versucht, dass sie Ersatzquellen oder eine effizientere Verwendung der traditionellen Ressourcen findet, dann wird der Mensch selbst zu einer Wegwerfware; je begrenzter seine praktische Selbstkonstituierung ist, desto disponibler wird er.
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