Kastrat
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Die römische Kirche konnte nicht genug davon kriegen. Bis zu 3000 Jungen wurden jedes Jahr kastriert, über drei Jahrhunderte. In dieser Zeit musste in Italien jeder Junge mit einer schönen Sopran- oder Altstimme damit rechnen, kastriert zu werden. Um so mehr, wenn er auch noch ein hübsches Gesicht hatte.
Es gab die „frühen Kastrationen“: Jungen, die im Alter von sieben bis zehn oder elf Jahren zum Chirurgen gebracht wurden. Die hatten Angst, weil es weh tat, es gab ja noch keine Betäubungsmittel. Aber ansonsten waren die ahnungslos und ließen’s geschehen – für die Kunst und die Karriere.
Aber es gab auch die „späten Kastrationen“: Jungen, die bereits geschlechtsreif waren, wenn sie beim Chirurgen auf den Tisch kamen. Die waren schon „aktiv“, die kannten die Lust, die wollten das nicht, die wollten nicht kastriert werden. Aber sie wurden nicht gefragt. Sie wurden festgebunden, und ehe sie sich versahen, war die Welt um einen hübschen, verheißungsvollen Kastraten reicher.