Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Prüfung«
tootsie schrieb am 17.12. 2007 um 15:53:38 Uhr zu
Bewertung: 3 Punkt(e)
Ich habe gerade eine Klausur geschrieben. Nur durch einen blöden Zufall habe ich überhaupt davon erfahren, war nicht vorbereitet und habe meine geschwollenen Mandeln in die Nebenhöhlen geschoben, damit ich Platz zum Atmen hatte. Noch eine halbe Stunde vorher habe ich mit mir gerungen, ob ich das mache oder nicht. Ich habe es gemacht, war dort und weiß, dass der Schein geschenkt ist, wenn ich im nächsten Semester nochmal daran teilnehme. Dass ich bestanden habe, kann ich mir nicht vorstellen. Ohne jede Ahnung über die aktuelle politische Situation einen Text zur aktuellen politischen Situation zu übersetzen ist ein unangenehmes Unterfangen, zumal jeder Text auf Wissenssysteme rekurriert, die zum Verständnis notwendig sind. Trotzdem bin ich stolz auf mich. Ohne jeden Plan im Vorfeld ist es mir gelungen, innderhalb von 120 Minuten ein kohärentes Sinnkondensat dessen zu liefern, was da vor mir auf dem Bildschirm flimmerte. Eine halbe Stunde mehr, und das Ding wäre perfekt geworden! Keine Zeit, keine Lust, umständlicher Schmonz.
Die Leiche schrieb am 18.12. 2007 um 22:00:29 Uhr zu
Bewertung: 4 Punkt(e)
In meiner Assistentenzeit hatte ich einmal eine Studentin als Prüfungskandidatin zu betreuen, die ich sehr mochte. Es war eine dieser angenehm stillen Frauen, die mitunter sehr lange nachdachten, bevor sie sprachen. Sie war nebenbei auch sehr unkompliziert in ihrer Art, und das war etwas ungewöhnlich - sie war nämlich nicht nur sehr gutaussehend, sondern sogar richtig schön, hatte einen »look« mit ihrem Schlafzimmerblick und ihren aparten grau-blonden Haaren. Regelrecht erfrischend war es, daß sie hinsichtlich ihres Aussehens sehr unprätentiös gewesen war, und davon absah, ihr Fleisch in die Auslage zu legen.
Leider war sie in dem Prüfungsfach, daß ich zu betreuen hatte, nicht gerade gut. Nicht unbedingt grottenschlecht - aber ... naja. In Kenntnis also nicht nur ihrer Schwachstellen, sondern auch denen, meines lieben Professors, machte ich ihr also einen unmoralischen Vorschlag. Sie sah mich zuerst sehr komisch an, und dann sehr ernst.
Und sie kam zur Mündlichen Prüfung - ich hatte ihr genau erklärt, wo sie sitzen würde, und wo der gute Professor - mit so einem Flatterteil an, das sich eigentlich ganz sittsam ansah, solange sie stand. In dem niedrigen Sessel jedoch, in dem sie platziert worden war, und wenn sie sich tief über das als Hilfsmittel zugelassene Buch beugte, konnte sogar ich, der ich deutlich niedriger saß, als mein Professor, sehen, was mein Professor sehen konnte. Und die Augäpfel meines Professors klebten an der Innenseite seiner Brillengläser. Nachdem er sich gefasst hatte, stellte er ihr eine Frage, lies sie etwas blättern, gab Tips wo sie mal nachlesen sollte, ließ sich Abschnitte vorlesen aus dem Buch, und beantwortete die Frage sodann selbst, und so ging das die ganzen vorgeschriebenen dreissig Minuten lang. Meine Studentin saß nur da, tief vorgebeugt, und blätterte intensiv in dem Buch auf dem niedrigen Tisch vor ihr, und sagte ansonsten vielleicht drei Worte während der gesamten Prüfung. Sie wurde mit einer »zwei plus« entlassen, über die sie sich sichtlich freute, und entschwebte. Und mein Professor - ein bekennender Franke - sprach die goldenen Worte zu mir: »Bub, Du bischd mir ein Batzi, mei Liaba, oaba das Madl, des war a fesch's und an Schneid hat's o !« Das war eine der sehr seltenen Gelegenheiten, bei denen mein guter Professor mich geduzt hatte.
Peter K. schrieb am 17.12. 2007 um 11:43:09 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Die Vorbereitung auf eine ernsthafte Prüfung wirkt sich auf den Kandidaten in einer Entsprechung zum hermeneutischen Zirkel aus: am Anfang steht das überwältigende Gefühl der Angst vor der riesigen Stoffmenge, den exorbitanten Anforderungen. Diese Angst nimmt in dem Maße ab, wie die Vorbereitungen fortschreiten, immer größere Teilmengen des Stoffes beherrscht werden. Man hat die ersten Gipfel des Gebirges bezwungen, und schaut von diesen wesentlich erleichtert auf die noch fremden Höhen. Doch dann, wenn man einen wirklich hohen Berg erklommen hat, und den Überblick über den Stoff gewinnt, erkennt man erst wirklich, wie kompliziert das alles ist, und wieviele Tücken, Schluchten, Abgründe und Steilwände sich da auftun, die man am Anfang garnicht gesehen hatte. Und so geht das weiter ad infinitum - und im Prinzip kann man nur hoffen, in einer euphorischen Phase des »Durchblickens« geprüft zu werden, statt in einer depressiven Phase des Verzweifelns. Mit dieser Neurasthenie fertig zu werden ist wohl die schwierigste psychische Herausforderung einer jeden Prüfung.
Peter K. schrieb am 17.12. 2007 um 11:58:22 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
In dem Moment, in dem man den Entschluß zu einer ernstlichen Prüfung faßt - oft weit vor der förmlichen und unwiderruflichen Anmeldung dazu, vollzieht sich eine Wandlung. Der mehr oder weniger fröhlich studierende wird zum Mönch, der sich langwierigen und nahezu seine gesamte Gegenwart ausschöpfenden Exerzitien unterwirft. Die Fülle des Lebens reduziert sich aufs »Fach« - es werden Denkgewohnheiten geprägt, die lange Zeit beherrschend bleiben - manchmal für immer. Das Pensum regiert unerbittlich die Tage und Wochen. Die Lebenshaltung wird regelmässig wie ein Uhrwerk, es kommt buchstäblich auf jede Viertelstunde an. Schmerzlich empfindet man die Trennung von Freunden und Geliebten, Hobbys und Gewohnheiten. Man wird zum Asketen. Und doch gewährt einem diese Bußübung mitunter erstaunliche Einsichten auf das Leben »drum herum«, daß man auf einmal mit ganz anderen Augen sieht. Kaum ein Bier, daß inteniver schmeckt, als das eine samstägliche Abendbier, am einzigen »freien« Abend der Woche, kaum eine Umarmung, die nicht ein sinnlicher Jubel wäre. Mit der Zeit entwickelt sich ein merkwürdiger Rhytmus des Lebens, Lernens, Schlafens, der einem zuvor vaganten Geist eine enorme Sicherheit des Auftretens verleiht. Man kann sehr glücklich sein, in dieser Zeit.
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