Stille
Bewertung: 6 Punkt(e)Wenn das, was du zu sagen hast, nicht schöner ist als die Stille, dann schweige! Nachzulesen bei Michel Tournier
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| Der erste Text | am 28.2. 2000 um 21:41:08 Uhr schrieb Tanna über Stille |
| Der neuste Text | am 26.5. 2024 um 10:30:23 Uhr schrieb Bettina Beispiel über Stille |
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am 26.9. 2014 um 09:31:18 Uhr schrieb
am 21.8. 2005 um 20:35:16 Uhr schrieb
am 6.10. 2003 um 22:17:20 Uhr schrieb |
Wenn das, was du zu sagen hast, nicht schöner ist als die Stille, dann schweige! Nachzulesen bei Michel Tournier
Die Sonne, wenn sie aufgeht,
bringt es fertig
ohne Lärm und
ohne Worte
der Erde und dem Mond
Licht und Wärme zu geben.
Die Stimme in mir ist verstummt. Vor Tagen noch konnte ich mich kaum noch all der Ideen erwaeren, die mich in alle Richtungen zogen. Heute jedoch hoere ich nichts mehr. Ein eiskalter warmer Schleier umgibt mich, bringt jedes Wort zum Verstummen. Bin abgeschnitten von der Umwelt, abgetrennt von mir. Identitätslos, verloren.
Ein tranceartiger Zustand der eher dem Tod als dem Leben ähnelt. Und doch ist es ein Anfang.
Die Omis (Achtung, es sind »Bewohner«) sitzen im Aufenthaltsraum nach dem Mittagessen und sehnen das Kaffeetrinken herbei. Keine sagt ein Wort, hier und da wird verzweifelt geröchelt.
Frau Wehmeier (am Stuhl festgebunden, will immer aufstehen und stürzt dabei) beginnt das Ritual. Frau Wehmeier: »Walter!«
1., 2. und 3. Omi:»Frau Wehmeier!«
(Die 1., 2. und 3. Omi, allen voran die fiese Budde, sind empört über den plötzlichen Lärm.)
Frau Wehmeier:»Walter!«
Omis:»Frau Wehmeier!«
Und so geht das jeden Tag.
Stille.
Frau Wehmeier:»Walter!«
Omis:»Frau Wehmeier!«
Stille.
Frau Wehmeier ist die einzige Omi, die noch eine Stimme hat,eine ziemlich laute sogar, die anderen flüstern und ächzen mehr. Aber sie sagt immer nur ein Wort:
Frau Wehmeier:»Walter!«
Omis:»Frau Wehmeier!«
Und wieder Stille. Mannomann, das kotzt einen schon nach einer Woche an. Doch irgendwann, eines schönen Nachmittags, zwischen Mittagessen und Kaffee:
Stille.
Frau Wehmeier:»Wärn wa man zu Hause jeblieben, wärn wa schlauer jewesen.«
Wenn es wirklich mal ganz still ist, fange ich an, mich davor zu fuerchten. Ich bin daran nicht gewoehnt. Irgendwas sollte immer ein Geraeusch machen, sonst halte ich das nicht lange aus. Aber es reicht schon das Rascheln des Windes in den Baeumen oder dem Gras.
Als das Land aus den Tiefen des Ozeans heraufgestiegen war und die ersten Bäume sich vor dem immerwärenden Wind duckten, erhob sich plötzlich die Stille.
Und mit der Stille erhob sich deren Zwilling, der Lärm.
So standen sie voreinander, die Stille und der Lärm und sahen einander an.
Da sagte die Stille: »Jetzt, Brüderchen, lass uns kräftig auf die Pauke haun!«
So geschah es.
Als die Menschen dann aber zwischen den Bäumen auftauchten, verbarg sich die Stille in den Menschen, der Lärm aber verbarg sich zwischen den Menschen.
Und so, ganz selten, wenn der Lärm gerade woanders beschäftigt ist, können wir die Stille in uns auf die Pauke hauen hören.
Stille über Auen, Wäldern
ruhe über allen Feldern
Hei-ho, jauchzt der Bauersmann
und spannt derweil'n die Ochsen an
»Gehts nach Leichendorf, Herr Franz?«
»Genau!, da lädt der Wirt zum Tanz!«
Ach, was muß man hier noch sagen,
höre Wehe, höre Klagen,
wie der arme Bauer Franz
am nächsten Tag sich leider dummerweise vollso Heroinnadel ins Auge gebohrt hat und so, und das wars dann auch so.
Oder meinetwegen zu viel Fernseh geschaut hat, und dann eingeschlafen ist, so.
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