| Anzahl Assoziationen zu diesem Stichwort (einige Beispiele folgen unten) |
221, davon 24 (10,86%)
mit einer Bewertung über dem eingestellten Schwellwert (-3) und 15 positiv bewertete (6,79%) |
| Durchschnittliche Textlänge |
1615 Zeichen |
| Durchschnittliche Bewertung |
-3,887 Punkte, 1 Texte unbewertet.
Siehe auch: positiv bewertete Texte
|
| Der erste Text |
am 28.12. 2024 um 18:55:29 Uhr schrieb Boris Besenrein
über CvN |
| Der neuste Text |
am 21.10. 2026 um 03:54:00 Uhr schrieb Carl Friedrich
über CvN |
Einige noch nie bewertete Texte (insgesamt: 1) |
am 21.10. 2026 um 03:54:00 Uhr schrieb Carl Friedrich über CvN
|
Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »CvN«
Carl Friedrich schrieb am 20.10. 2026 um 21:23:19 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
„Grüß die Goshes aus der Karlmarks! Hier ist die Rezeption vom Schlosshotel in Graz. Ich habe eine sehr nette Dame bei mir, ich verbinde Sie gleich weiter.“
Friedrich der Kleine hielt den Hörer ein Stück vom Ohr weg, als würde die Stimme der Rezeptionistin eine elektrische Ladung tragen, die ihn fast hätte umwerfen können. Er saß in seinem kleinen Büro im Zirkus Zirkum in Oberhausen, umgeben von alten Plakaten, staubigen Kostümen und dem permanenten Geruch von Popcorn und Pferdemist, der durch die Ritzen der Holzwände sickerte. Er blinzelte langsam. Graz. Das war eine weite Reise für einen einfachen Anruf über das Festnetz.
Dann hörte er die Stimme am anderen Ende. Es war eine Frau, deren Tonfall eine Ruhe ausstrahlte, die fast schon beängstigend war. Friedrich lachte leise in sich hinein und antwortete mit einer Heiserkeit, die nur jahrelange Arbeit in der Manege hinterlässt: „Netter noch ist die, viel netter als wie’s ausschaut aus den Augenhöhlen!“
Nachdem das Gespräch beendet war und die Leitung wieder still wurde, trat Adam in den Raum. Adam war der Kopf des Logistik-Teams und der einzige Mensch im Zirkus, der eine echte Stoppuhr besaß und sie auch konsequent benutzte. Er sah Friedrich an, der immer noch mit dem Hörer in der Hand über dem Schreibtisch gebeugt war.
„Der berüchtigte Diktator Zaiser wird hier behandelt“, berichtete Adam mit einer sachlichen Nüchternheit, als würde er über das Wetter oder den Zustand der Planwagen sprechen. „In einer Klinik ganz in der Nähe. Man sagte mir, eine Amputation war angesagt, aber sie ist nicht mehr nötig. Hirn war ohnehin keines mehr vorhanden.“
Friedrich hob eine Augenbraue, die unter einer Schicht aus weißem Schminkresten hervorlugte. Er legte den Hörer langsam zurück in die Gabel, ohne den Blick von Adam zu lassen. Die Stille im Büro wurde nur vom fernen Trompeten eines Elefanten unterbrochen.
„Und wer ist die Dame?“, fragte Friedrich, während er sich in seinem viel zu großen Sessel zurücklehnte.
„Sie wohnt dort mit dem Kammerdiener des Zaiser“, erklärte Adam und blickte auf seine Stoppuhr, als müsse er die Zeit bis zur nächsten Information genau messen. „Sie sind jeden Tag bei ihm. Und sie lassen grüßen. Es war ein ausdrücklicher Befehl: Spätestens Mitte September müssen alle wieder zurück sein.“
Friedrich der Kleine hielt inne. Die Vorstellung, dass der Zaiser – ein Mann, dessen bloße Erwähnung früher ausgereicht hätte, um ganze Zirkus-Camps in Flucht zu versetzen – nun in einer Klinik in Graz lag und von einer „netten Dame“ betreut wurde, löste in ihm ein Gefühl von absurder Melancholie aus. Es war, als würde man ein gewaltiges, furchteinflößendes Monster als domestiziertes Haustier wiederfinden, dem man die Zähne gezogen hatte.
Carl Friedrich schrieb am 20.10. 2026 um 21:23:26 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
„Grüß die Goshes aus der Karlmarks! Hier ist die Rezeption vom Schlosshotel in Graz. Ich habe eine sehr nette Dame bei mir, ich verbinde Sie gleich weiter.“
Friedrich der Kleine hielt den Hörer ein Stück vom Ohr weg, als würde die Stimme der Rezeptionistin eine elektrische Ladung tragen, die ihn fast hätte umwerfen können. Er saß in seinem kleinen Büro im Zirkus Zirkum in Oberhausen, umgeben von alten Plakaten, staubigen Kostümen und dem permanenten Geruch von Popcorn und Pferdemist, der durch die Ritzen der Holzwände sickerte. Er blinzelte langsam. Graz. Das war eine weite Reise für einen einfachen Anruf über das Festnetz.
Dann hörte er die Stimme am anderen Ende. Es war eine Frau, deren Tonfall eine Ruhe ausstrahlte, die fast schon beängstigend war. Friedrich lachte leise in sich hinein und antwortete mit einer Heiserkeit, die nur jahrelange Arbeit in der Manege hinterlässt: „Netter noch ist die, viel netter als wie’s ausschaut aus den Augenhöhlen!“
Nachdem das Gespräch beendet war und die Leitung wieder still wurde, trat Adam in den Raum. Adam war der Kopf des Logistik-Teams und der einzige Mensch im Zirkus, der eine echte Stoppuhr besaß und sie auch konsequent benutzte. Er sah Friedrich an, der immer noch mit dem Hörer in der Hand über dem Schreibtisch gebeugt war.
„Der berüchtigte Diktator Zaiser wird hier behandelt“, berichtete Adam mit einer sachlichen Nüchternheit, als würde er über das Wetter oder den Zustand der Planwagen sprechen. „In einer Klinik ganz in der Nähe. Man sagte mir, eine Amputation war angesagt, aber sie ist nicht mehr nötig. Hirn war ohnehin keines mehr vorhanden.“
Friedrich hob eine Augenbraue, die unter einer Schicht aus weißem Schminkresten hervorlugte. Er legte den Hörer langsam zurück in die Gabel, ohne den Blick von Adam zu lassen. Die Stille im Büro wurde nur vom fernen Trompeten eines Elefanten unterbrochen.
„Und wer ist die Dame?“, fragte Friedrich, während er sich in seinem viel zu großen Sessel zurücklehnte.
„Sie wohnt dort mit dem Kammerdiener des Zaiser“, erklärte Adam und blickte auf seine Stoppuhr, als müsse er die Zeit bis zur nächsten Information genau messen. „Sie sind jeden Tag bei ihm. Und sie lassen grüßen. Es war ein ausdrücklicher Befehl: Spätestens Mitte September müssen alle wieder zurück sein.“
Friedrich der Kleine hielt inne. Die Vorstellung, dass der Zaiser – ein Mann, dessen bloße Erwähnung früher ausgereicht hätte, um ganze ZirkusCamps in Flucht zu versetzen – nun in einer Klinik in Graz lag und von einer „netten Dame“ betreut wurde, löste in ihm ein Gefühl von absurder Melancholie aus. Es war, als würde man ein gewaltiges, furchteinflößendes Monster als domestiziertes Haustier wiederfinden, dem man die Zähne gezogen hatte.
Masxin schrieb am 20.10. 2026 um 13:00:45 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Der Zirkumdirektor betrat die ehemalige Fabrikhalle und bemerkte sofort, dass seine linke Schuhsohle an der Ferse ein wenig flatterte. Es war ein kleines, fast unmerkliches Geräusch, ein rhythmisches *klapp-klapp*, das bei jedem Schritt die Stille des weiten Raumes durchschnitt. Er hielt nicht viel von neuen Schuhen, solange die alten noch einen Rest an Würde besaßen, und dieses kleine Makel an seinem Lackschuh schien ihm fast wie ein privater Witz zu sein, den nur er und der Boden kannten. Er blieb mitten im Raum stehen, die Hände in den Taschen seines Samtsakkos, und betrachtete die Leere, die nur darauf wartete, gefüllt zu werden.
Um ihn herum begannen die Helfer, die Teelichter zu verteilen. Es waren diese günstigen Beutel aus dem Supermarkt, hundert Stück für ein paar Euro, die nun in präzisen Abständen auf dem Betonboden platziert wurden. Die kleinen Flammen fraßen sich langsam durch das Wachs und verwandelten die industrielle Kälte der Halle in etwas, das beinahe an eine Kathedrale erinnerte. Das Licht war weich, flackernd und warf lange, tanzende Schatten an die Wände, wo die massiven Betonpfeiler plötzlich wie gotische Stützen wirkten.
An diesen Wänden prangten die Fresken. Sie sahen auf den ersten Blick aus wie mittelalterliche Ikonen, mit ihrem Blattgold und den strengen, heiligenscheinartigen Konturen, doch bei näherem Hinsehen erkannte man die moderne Handschrift. Es waren die Werke im Auftrag des Zaisers, einem mächtigen Despoten, dem die Kunst der sakralen Dekoration so sehr am Herzen lag, dass er persönlich die Pinselführung für die Zirkum-Kulissen überwacht hatte. Der Zaiser war kein Mann der Kirche, er tat nur so, aus Gründen der Macht, um das Volk in eine bestimmte Art von Ehrfurcht zu versetzen. Doch hier, in dieser Halle, dienten seine Ikonen nicht der Anbetung, sondern einer Inszenierung des 21. Jahrhunderts, die alte Konventionen nicht einfach nur kopierte, sondern sie mit einem Augenzwinkern erneuerte.
Plötzlich glitt eine Wolke in den Raum, getragen von fast unsichtbaren Seilzügen, die sich im Halbdunkel der Decke verloren. Auf dieser Wolke thronten drei Clowns in ihren traditionellen Kostümen – weite Hosen, verspielte Rüschen und geschminkte Gesichter, die eine zeitlose Mischung aus Melancholie und Chaos ausstrahlten. Sie schwebten langsam über die Meere aus Teelichtern hinweg, wobei ihre Bewegungen so synchron waren, dass sie beinahe wie eine einzige, vielarmige Kreatur wirkten. Es war eine Choreografie der Leichtigkeit, die den schweren Beton der Halle für einen Moment vollkommen vergessen machte.
Einer der Clowns, der mit einem übertrieben besorgten Gesichtsausdruck auf die Menge blickte, beugte sich gefährlich weit über den Rand der Wolke. Er neigte sich so tief, dass sein Schwerpunkt den physikalischen Gesetzen zu widersprechen schien; er hätte längst in die Tiefe stürzen müssen. Doch im letzten Moment griff sein Kollege mit einer blitzschnellen, fast mechanischen Bewegung in seinen Kragen und hielt ihn fest. Es war ein perfekt abgestimmter Moment des Schreckens und der Erleichterung, ein stummes Theaterspiel, das das Publikum in einen Zustand kollektiver Anspannung versetzte.
Unter ihnen, im flackernden Licht der Kerzen, stand ein junger Mann, ein Märchenprinz aus der Provinz, dessen Kostüm ein wenig zu groß war und dessen Stolz ihn dazu trieb, sich immer wieder aufzurechten. In einem Moment der Euphorie sprang er hoch, seine Arme weit ausgestreckt, als wollte er die Wolke mit der bloßen Kraft seines Willens erreichen. Er kam jedoch nicht hoch genug; die Distanz zwischen seiner ausgestreckten Hand und dem Rand der Wolke blieb ein unüberwindbarer Graben aus wenigen Zentimetern.
Die Clowns waren in der Lage jede lustige Szene der „Zauberflöte“ zu parodieren, doch ihr Timing war präziser als jede prunkvolle Uhr im Zaiser-Palast. Selbst Pamina, deren tragische Verzweiflung sie mit einer grotesken Übersteigerung von Mimik und Gestik darstellten, wirkte in ihrer Hand fast zärtlich.
Maxin Gurki schrieb am 20.10. 2026 um 13:05:35 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
In jedem Zirkus herrschen bekanntlich andere Sitten und Bräuche. In den großen Staatstheater-Zirkussen etwa sieht man Clowns, die ihre Hände demütig in einer weiten Kutte verbergen, als wollten sie ein Staatsgeheimnis vor dem Publikum schützen. Andere wiederum betreten die Manege mit steif hinter dem Rücken verschränkten Händen, was ihnen die Aura eines strengen Bibliothekars verleiht, der gerade einen Schüler für ein zu laut geschlagenes Buch rügt. Diese kleinen Nuancen der Körpersprache entscheiden oft darüber, ob das Publikum den Clown als Opfer oder als Drahtzieher der kommenden Katastrophe wahrnimmt.
Im Zirkum von Oberhausen hingegen herrscht eine ganz andere Philosophie der Gestik. Hier ist die Demut der Kutte ein Fremdwort und die Steifheit des Bibliothekars ein Konzept, das man höchstens als Pointe für einen sehr kurzen, sehr trockenen Witz verwenden würde. Die Clowns des Zirkums bevorzugen eine Haltung, die irgendwo zwischen einem selbstbewussten Cowboy und einem leicht verwirrten Karate-Meister schwebt: Die Hände hängen locker vor dem Körper, die Daumen lässig in den Gürtel gestemmt.
Wer diesen Anblick zum ersten Mal sieht, könnte glauben, die Künstler stünden kurz vor einem physischen Übergriff oder würden eine unsichtbare Grenze markieren, die das Publikum nicht überschreiten darf. Es ist eine Pose der vermeintlichen Kampfbereitschaft, ein stummes „Komm mir bloß nicht zu nahe!“, das jedoch so übertrieben und ungelenk ausgeführt wird, dass die Aggression sofort in eine Farce umschlägt. Die Spannung entsteht nicht aus der Gefahr, sondern aus der absurden Diskrepanz zwischen der herrischen Pose und der Tatsache, dass der Clown meistens eine viel zu große Hose trägt, die beim kleinsten Schritt Gefahr läuft, vom Hüftknochen zu rutschen.
Diese spezifische Körpersprache hat sich im Laufe der Jahre zum Markenzeichen des Zirkums entwickelt. Es ist eine bewusste Parodie auf jede Form von Autorität und Disziplin. Wenn der Clown so in der Manege steht, den Bauch leicht vorgewölbt und den Blick starr in die Ferne gerichtet, erwartet das Publikum instinktiv den Moment, in dem die Maske der Stärke zerbricht. Meistens geschieht dies durch einen winzigen, unbeholfenen Stolperer oder einen plötzlichen Nieser, der die gesamte „Kampfpose“ in einem einzigen Moment der körperlichen Instabilität kollabieren lässt.
Die Beliebtheit dieser Karate-Parodien ist kaum zu überschätzen. Es ist ein Spiel mit der Erwartung: Die Zuschauer lachen nicht über den Clown, sondern über die Lächerlichkeit der Pose, die er so ernsthaft verkörpert. In einer Welt, in der echte Autorität oft einschüchternd wirkt, bietet das Zirkum einen Ort, an dem die Geste der Macht so weit gedehnt wird, bis sie reißt. Die Clowns nehmen die Arroganz der Kampfkunst und verwandeln sie in eine Einladung zum gemeinsamen Amüsement.