Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »CvN«
CvN (Carl v. Nebelstreiff) schrieb am 15.1. 2026 um 20:06:51 Uhr zu
Bewertung: 5 Punkt(e)
Hoch-Wohlgebohrner Meister,
Ihr werdet Euch wohl erinnern Eurer Bedenken wegen denen Chorbuben, welche beflißen & convenable singen, oft über alles Maaß schön, und vermeinen, sie begriffen alle Worte, so sie dermaßen sauber, gar lateinisch vortragen. Nunmehro aber will ich dieße Buben, so viel an mir ist, in etwas entschuldigen, und zwar auf folgende Weise.
Wie wundersam ist Eure Mühle errichtet am Bach, da er herrlich fließet & mit steter Kraft das große Mühlenrad treibet. Und nunmehro geschiehet es, daß ein Bub sein eigen kleines Rädlein munter lauffen siehet & vermeinet, es sei eben solch trefflich Mühlenrad. Jetzo will ich hinzufügen: der Ohrt, von wo der Bub sein geringes Werklein betreibet, mag doch an aufwärts gelegner Stelle seyn, ergo dem Ursprunge näher. Mag der Bach dorten sanftes Bächlein heißen. Ist aber das Wasser allda nach proportion kostbahrer.
Also eilen wir zum Schluß, mit allem ergebensten Respect, zeitlebens verharrend
Ew. Hochwohlgebohren ganz gehorsamst-ergebenster Diener
Georg Erdmann
Danzig, den 16. Octobr. Anno 1718
Nicht abgeschickter Brief an JSB
(Staatsarchiv Danzig)
CvN (Carl v. Nebelstreiff) schrieb am 20.5. 2025 um 19:32:11 Uhr zu
Bewertung: 4 Punkt(e)
Vom ersten Mal zusammen im Bett ein unvergessliches Detail.
Vorweg ein Bedauern, dass Brauntöne kaum Namen haben. Ist nicht schon das Wort „braun“ vorbelastet.
Es geht um Friedrichs Haarpracht, damals, er war fast 14.
Auch das Wort „brünett“ gefällt mir nicht. Aber wie sonst Friedrich beschreiben?
Ich erfand das Wort „tizianbraun“. Seine Eltern, Vera und Oscar, bereicherten ihren Wortschatz umgehend mit tizianbraun.
Noch intensiver ist diese Haarfarbe bei Mathilde. Man muss wissen, dass nicht Vera die wahre Mutter ist, sondern Mathilde aus Grenoble.
Nun das Unvergessliche.
Friedrich könnte sagen: »hast du schon mal erzählt!«
Oder: »mir ging ganz anderes durch den Kopf!«
Gestehen: » vor allem ging mir durch den Kopf: wenn er jetzt nicht zugreift, mach ich es mir selbst!«
Bevor ich alles vergesse, will ich von dieser einen Sekunde berichten.
Als er sich über mich beugte und seine Haare auf mein Gesicht fielen. Mein Gesicht verborgen unter seinen Haaren!
Diese schöne Woge tizianbrauner Haare, die sich so sanft wellte, aber immer fest angeschmiegt blieb und kaum je mit Kopf-Ruck oder gar von Hand zurechtgewiesen werden musste.
Die ich zuvor immer nur anschauen konnte. Und jemals berührt hatte?
CvN (Carl v. Nebelstreiff) schrieb am 21.6. 2025 um 21:36:52 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
»Du musst bedenken: es war die Hippie-Zeit!« sagt Friedrich.
Ich bin mir immer verwundert, dass Friedrichs Eltern damals unsere Liebe zugelassen haben. Befördert sogar!
Warum Vera, Friedrichs Mutter, mir so zugetan war, habe ich inzwischen begriffen.
Und Oscar, der Vater?
Friedrich erinnert sich, besser als ich, an die Geschichte mit dem »Mini Moke«.
Das ist ein kleiner Jeep mit offenen Seiten, der damals in Oscars Autosalon ausgestellt war.
Oscar handelte mit edlen Gebrauchtwagen.
»Orange ist nicht die Originalfarbe!« soll ich moniert haben.
Oscar war beeindruckt!
»Die Mini Mokes waren alle grün. 'Spruce Green' .«
Ich sammelte damals englische Farbnamen.
»Dead Salmon«, »Cinder Rose«, »Incarnadine« weiß ich heute noch. »Spruce green« führte direkt zum »Mini Moke«.
Zufall, dass Oscar gerade den im Angebot hatte.
Das muss Oscar mehr beeindruckt haben, als »Zerfließe mein Herze«, das sein Sohn so herzzerreißend schön singen konnte.
Damals hatten wir einiges aus der Johannespassion einstudiert.
CvN (Carl v. Nebelstreiff) schrieb am 21.4. 2025 um 13:15:35 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Das überraschendste am vergangenen Karfreitag haben nur wenige begriffen. Der lauteste Beifall kam von unseren zahlreichen Chorbuben, die dieses Mal nur zuhörten, weil Pergolesis Stabat Mater nur für Solisten ist: Sopran und Alt.
Da die Solisten immer wechselten, und immer Ersatzleute bereit sein müssen, konnten fast 20 Buben aktiv teilnehmen.
Warum nur fehlt gerade dann der Ersatzmann, als Florian beim »O quam tristis« ausfällt! Ein heftiges Nasenbluten, das schon gestillt schien, war wieder ausgebrochen.
Und da springt Felix ein.
Felix, der noch nie Solist war, überhaupt noch nie mitgesungen hat!
Er nimmt bei allen Proben aufmerksam teil.
Und dirigiert mit.
Ihm zuliebe drehen sich immer welche um und achten auf Felix, nicht auf den dirigierenden Friedrich.
Er sang perfekt. Auswendig wie alle anderen auch! Sein Latein war lustig verdreht: »Mater universiti« statt »Mater unigeniti«.
Wie froh wäre ich, wenn auch nur 1 Aufmerksamer außer mir das bemerkt hätte.
Ich musste, als O quam tristis beendet war, einfach los - Felix an der Hand nehmen - wir verbeugen uns - und begeisterter Beifall von den versammelten Chorbuben.
Felix singt also Sopran. Jetzt wissen wir es.
CvN (Carl v. Nebelstreiff) schrieb am 26.1. 2025 um 17:05:28 Uhr zu
Bewertung: 3 Punkt(e)
»Warum hast du DAS nicht rausgeschnitten!!«
Frage ich Anton, der für Youtube die offiziellen Videos macht.
Ob ich mich nicht daran erinnere, erwidert Anton. Es war nach dem Neujahrskonzert! Auf wen ging der Generalbevollmächtigte zu? Auf dich? Auf Friedrich ? Auf mich! Und was wollte er? Dieses Mal (»und hoffentlich nicht das letzte Mal!«) wieder zu sehen sein!
Er ist einer unserer Mäzene, wir nennen ihn den Generalbevollmächtigten. Friedrich ist der Chorleiter.
Es gibt diese obligaten Schwenks weg von den Sängern, hin zum Publikum.
Es ist nicht wegen dem Generalbevollmächtigten, es ist wegen seiner Frau neben ihm.
Die ist um die 50, unförmig, hockt da, mitten in der ersten Reihe, Beine übereinander, Rock über die Knie gerutscht: so dass wer nicht spontan wegschaut vollen Einblick hat.
Anton: er ist unser wichtigster Geldgeber! Das musst du doch verstehen!
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