Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Warburgpassage«
passant schrieb am 25.4. 2016 um 17:19:12 Uhr zu
Bewertung: 4 Punkt(e)
In der Warburgpassage an einem Werktag parken, ist nahezu unmöglich. Dann war unglaublicherweise ein sogar sehr schöner Parkplatz im Rückspiegel zu erkennen. Umgehend rückwärts fahrend widerfuhr mir eine Transmigration.
Die Warburgpassage ist nicht nur eine Wetterscheide im Neutorburger Klimageschehen, sie ist auch Schnittpunkt mehrerer Paralleluniversen; dem Passanten sind mittlerweile mindestens zwei bekannt. Eine einsame kleine Straße und schon Mittag. Die Parkplatzsuche hatte am frühen Morgen stattgefunden; das war im Moment der Transmigration vergessen. Nicht vergessen wurde, das war die ganze Zeit sehr beunruhigend, dass der Leihwagen um 24:00 zurückgebracht sein musste. Wenden auf der immer enger werdenden Straße unmöglich. Ohne Angst, aber auch ohne Hoffnung weiterfahren. Auf einen unasphaltierten Feldweg geraten, eine Böschung hinunter, das Auto auf der feuchten Wiese zurücklassen, zu Fuß zurückfinden. Ich gelangte in den Außenbezirk einer Stadt, sah russische Aufschriften, fragte Passanten, wurde nicht verstanden und verstand nichts. Eines verstand ich doch: im Internet werde ich mein Auto wiederfinden. Später, ich hatte ein ödes Flussbett überquert, Chemie vermutlich, alte Industrie, längst stillgelegt, endlich die Terrasse einer Gastwirtschaft, Blick auf die ganz verfallene, graue, zugleich überwältigend schöne Stadt auf der anderen Flußseite, und endlich jemand, der Englisch versteht, man schreibt mir den Namen der Stadt mit Bleistift auf den Rand einer Zeitung: Nilova (Нилова).
passant schrieb am 2.2. 2018 um 22:21:35 Uhr zu
Bewertung: 4 Punkt(e)
Daniel Danziger hatte ich ganz aus den Augen verloren. Als Briefmarkenhändler beteiligt er sich an Auktionen auf der ganzen Welt. Jetzt traf ich ihn, als er gerade Müll in eine der Tonnen leerte, die in der Weinrebgasse aufgereiht stehen (und diese unpassierbar machen).
Jetzt bin ich für ihn »der Herr, der immer die Krähen füttert«. Er beobachtet mich also von seinem Kellerfenster aus, mit Ausblick auf das Pflaster der Warburgpassage.
Er bittet mich in sein Büro, und zeigt mir seine neuesten Erwerbungen.
Manchmal werden auf Auktionen, zu einem mäßigen Preis, Briefumschläge oder kleine Schachteln angeboten, die ein Sammelsurium von mehr oder eher weniger wertvollen Briefmarken enthalten. So neulich bei »Cherrystone« in New York.
Ich bemerke, dass er die Tür des Tresors offen stehen lässt, wenn er seinen Müll fortschafft.
Er zeigt mir, im besagten Sammelsurium entdeckt, eine Marke von »phantastischer Seltenheit«. Ein gut erhaltenes Stück, Hintergrund blassgrün, Vordergrund und Schrift dunkelgrün. Unten, links und rechts in Kreise eingefasst, schräg stehende Zahlen: der Wert »10«.
Gulden vermutlich, flüstert Danziger.
Auf den Kreisen stehen Palmen, die sich von den Seiten her ins Bild neigen.
Eine Insel im Meer, sie wird angesteuert von einem Postboot vermutlich (Dampfer, Rauchwolken).
Auf der Insel erhebt sich eine Festung, wie aus unterschiedlich großen Würfeln aufgetürmt.
Die Briefmarke ist nicht groß, alles ist sehr fein in Stahlstich dargestellt.
Am oberen Rand steht »Nucleides«.
Die Nukleiden, flüstert Danziger. Es sind neun. Man kennt die Namen aller Inseln, bis auf eine.
Unter »Nucleides«, und oberhalb der Festung, zwischen den Palmwedeln, in größerer Schrift »TAN«.
Danziger, immer noch andächtig leise: der Namen der Insel. Eine Sträflingsinsel. Die Festung ist ein Kerker.
Dann ist das Postboot wohl eher ein Gefängnisboot.
Am unteren Rand, zwischen den Wertangaben, ist groß »MORA« zu lesen. Die Hauptstadt der Nukleiden, die sich auf Lassen, der Hauptinsel befindet.
Ich frage nach dem Wert der Briefmarke. Danziger hebt nur kurz die Schultern.
Nicht einmal von der Hauptinsel ist eine Marke bekannt.
Dass es von jeder der neun Inseln eine Briefmarke gibt, weiß er aus dem Bericht eines deutschen Kapitäns: »Antillen, sowie Nukleiden« von 1910, der diese Tatsache nebenbei erwähnt. Diese Schrift hat er in der Bibliothek der Universität Neutorburg entdeckt.
passant schrieb am 17.7. 2016 um 17:40:40 Uhr zu
Bewertung: 3 Punkt(e)
Der Physikunterricht im Sophienstift berücksichtigt auch die örtlichen Gegebenheiten der Warburgpassage, d.h. das Parallelwelt - Phänomen. Dass vollkommen parallele Universen sich nicht mehrfach überschneiden, sondern nur einmal, müssen alle begreifen. Dass die Schnittfläche sich nicht im Unendlichen befindet, wie Laien sich gern ausdrücken, sondern dass diese zugleich überall und nirgendwo ist. Folglich gibt es etwas, das sich nicht nur schneller als Licht, sondern unendlich schnell bewegt - der Schnittpunkt zweier paralleler Geraden, im vorliegenden Fall die Schnittfläche zweier paralleler Räume. Wie auch immer, heute schien die Warburgpassage etwas zu schwanken, denn ich flanierte auf dem Offiziersdeck einer Galeere.
Durch Lüftungsluken waren ein Deck tiefer Soldaten zu sehen, die auf Kommando Waffen putzten. Von noch einem Deck tiefer drangen üble Gerüche nach oben, auch dumpfe Rufe und Schreie. Weiter vorn, an der Kreuzung Warburgpassage / Warburgterrasse, wankten erschöpfte Triathlon-Teilnehmer vorüber, angefeuert von Zuschauern und Ordnungsdienst. Am Himmel dröhnten Hubschrauber, denn Triathlon in Neutorburg ist immer auch Militärübung. Heute Triathleten, morgen Putschisten und Terroristen.
passant schrieb am 4.5. 2016 um 18:05:52 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
In der Verlängerung der Warburgpassage, Richtung Innenstadt, über die Promenade (Verkehr von/zu Canada Overpass), unter den Bahnbrücken hindurch (Zugverkehr zwischen den Bahnhöfen Neutorburg und Torburg-Tor), an der Esplanade (Verkehr von/zu Astral Viaduct): der Atombunker für 2250 Personen von 1966, 600 Fuß tief unter der Erde.
Einige Passanten der Warburgpassage haben Zugang. Uns ist es zu verdanken, dass ein Teil der Sanitäranlagen (WCs, Duschen) wieder betriebsbereit ist.
Der ursprünglich angelegte immense Fäkalientank bleibt außer Betrieb.
Wir wurden nämlich ans städtische Versorgungssystem angeschlossen, d.h. wir sind im Ernstfall nicht mehr autark. Die Generatoren für die Elektrizität bedürften einer Generalüberholung.
Die Intra-Telefonie funktioniert. Die Bohnenkonserven sind noch verwendbar. Ob die Leichensäcke noch zu gebrauchen sind, weiß niemand; das Thema Leichensäcke hat keine hohe Priorität. Dasselbe gilt für die unglaublichen Vorräte an Windeln.
Sobald wir mehr als 4 Personen sind, wird eine Person zum Bunkerwart ernannt. Der Bunkerwart beobachtet über ein System von Spiegeln den Bunkereingang; es gibt dort Schießscharten.
Wir genießen die Akustik der Waschräume. Nutzen sie gern gemeinsam, halten Abstand von wenigstens zehn Waschbecken, und unterhalten uns schallend.
passant schrieb am 10.9. 2017 um 16:50:58 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Jenseits der Ost-West-Traverse, die Neutorburg in zwei Hälften zerschneidet, ist das Quartier mit den alten Backstein-Lagerhäusern.
Bequeme Treppen führen sechs Böden hoch (Ware wird außen am Kran befördert), enge Treppen noch zwei Stockwerke höher, dann eine noch schmalere Eisentreppe, ganz oben eine Stahltür, die nie zugeschlossen wird, damit du, wenn es brennt, über die Dächer des Lagerhaus-Quartiers fliehen kannst.
Du erblickst ein Panorama der Stadt wie nirgendwo sonst, nicht einmal von der erhabenen und gepriesenen Besucherplattform der Neuen Philharmonie.
Die Giebel und Zinnen der Lagerhäuser. Die Türmchen und Aufbauten des Rathauses, das elegante Dach der Neuen Philharmonie, die Türme von St.Nicholas und St.John, der TV-Tower, das CNN-Hochhaus, und Richtung Warburg-Quartier - - - was dort so leuchtet, ist das Astralwasser-Bassin.
Besonders schön wäre an diesem Tag der Blick nach oben, zu den niedrig über Neutorburg hinweg ziehenden Wolken gewesen.
Leider war es so: ich stand vor der Stahltür, um das Schild »AUSGANG VERBOTEN« zu verdecken und zugleich die Tür mit einladender Geste zu öffnen: »nun geht hinaus und seht!«
Besucher aus Übersee. Kannten Neutorburg nicht. Sollten sehen, was kein Tourist je zu sehen bekommt.
»Immerhin war es ein Abenteurer« so hinterher Jessica.
Werde von Lagerhaus zu Lagerhaus gehen. Systematisch alle Notausgänge aufs Dach kontrollieren. № 8 war zu. Zugeschlossen. Ein unglücklicher Zufall.
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