Einige überdurchschnittlich positiv bewertete
Assoziationen zu »Guajira«
Bria schrieb am 14.1. 2018 um 13:02:34 Uhr zu
Bewertung: 2 Punkt(e)
Ich wollte eigentlich von Nuo Líng mehr erfahren über Ozan, diesen mongolischen Schamanen. Stattdessen fragt er mich über ihn aus, weil ich ihm neulich begegnet bin.
Merkwürdig war dieser Ton, eine Art von Räuspern, den Ozan von sich gab, so ein energisches »hḿ!«
Zum Beispiel, als er aus einem Sack Maracuyas auf den Boden schüttete, bedeutete dieser Ton: »da! nimm dir eine!«
Oder als er meinen Knöchel packte, den, der mir immer weh tat, und zudrückte.
Im Grunde klingt dieses »hḿ!«, als ob in einer Art Hohlraum im Innern von Ozan zwei Steine aneinander stießen.
»Genau!« sagte Nuo Líng. »Ozan redet oft von Steinen! Jeder Stein hat nämlich eine Ober- und eine Unterseite! Manchmal liegt ein Stein verkehrt, das hat dann etwas zu bedeuten. Ein Stein darf nie verkehrt liegen! Nicht allerdings, wenn man Steine zu einer Mauer aufschichtet. Dann müssen sogar genausoviel Steine richtig wie verkehrt liegen, sonst hält die Mauer nicht.«
07:01:25 COT
Sonntag, 14. Januar 2018
Bria schrieb am 17.2. 2018 um 21:20:47 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Wir, Nuo Líng und ich, haben uns im »Imoro« (vormals »Roadhouse«) getroffen und und testen das Essen. Chefin Patricia preist es als »Comida muy auténtica de la Guajira« an.
Wir hatten lange draußen auf der Veranda Airhockey gespielt. Man muss dabei sehr schnell sein, ich bin schnell, aber Nuo Líng ist noch schneller. Jedenfalls sind wir durstig, hungrig, und werden nur langsam mit winzigen Portionen versorgt, alles Vorspeisen. Wir haben ein gemeinsames Lieblingsgetränk, das ist frischer Kokossaft mit frisch ausgepressten Limonen.
Wir überbrücken das Warten mit dem gemeinsamen Studium der jüngst eingetroffenen Ausgabe der rosa »Mora Post« von Mitte Januar. Die Schlagzeile der ersten Seite, fetter als sonst, betrifft die Inbetriebnahme einer großen Radio-Parabolantenne, die im Innern des Kraters der Insel Bunden aufgespannt wurde.
Nuo Líng meint wohl, ich als Paläontologin hätte von derlei keinerlei Ahnung und holt weit aus, um mir die Bedeutung einer Antenne begreiflich zu machen, die auf einen geostationären Satelliten gerichtet ist, und der gehört, wie er ganz sicher weiß, einem guten Freund von Leon, einem privaten Unternehmer namens Elon.
Ich musste Nuo Líng gar nicht bremsen, das Essen kam, duftender Fischcurry auf Yamswurzel.
15:19:54 COT
Bria schrieb am 2.2. 2018 um 16:29:44 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Niemand sieht der Zukunft so fröhlich entgegen wie Coco. Sie hat alle Details des neuen »Roadhouse« in Puertamora schon im Kopf. Sie zeigte mir sogar einen Stadtplan von Puertaomora, eine Kopie jedenfalls, einen Ausschnitt, auf der etwas rot umrandet ist, das im Moment noch eine ungenutzte Lagerhalle ist.
Und dann sagt sie: »das ist nicht weit von eurem Excelsior!«
Erstens. Gehöre ich tatsächlich dazu? »Euer Excelsior«. Bislang hat mich noch niemand in ein Excelsior eingeladen.
Zweitens. Es gibt also Stadtpläne von Puertomora. Ich habe noch nie einen zu Gesicht bekommen.
Ist meine Schuld. Ich kenne sie alle, diese Verbündeten. Nuo Líng, Leon, Timna. Und deren ferne Anverwandte, die jetzt schon in Cartagena sind: Cato, Ozan, Yael. Zwar, ich fühle mich allen irgendwie zugehörig.
Ich mische mich nicht gern ein, immer bleibe ich etwas distanziert.
Kein Wunder, wenn ich heute so etwas geträumt habe: ich bin zu Hause, auf dem Savignyplatz, es ist Nacht. Obwohl es nicht regnet, wird das Pflaster immer wieder überspült, wie von den letzten Ausläufern einer Brandung. Hier wohnte ich früher, jetzt nicht mehr. Und weiß nicht, wohin.
10:30:22 COT
Bettina Beispiel schrieb am 9.1. 2018 um 20:16:22 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Am Silversterabend hatte ich ganzen Dornstrauch abgefackelt, der mir 2017 das Feuerholz geliefert hatte, wenn ich mir meinen Sonntags-Sonnenuntergangs-Kaffee braute. Dies und mehr musste ich umgehend Nuo Líng berichten, und fand ihn in der nächtlich leeren Schule, im Sekretariat.
Er spürte gleich, dass etwas besonderes vorgefallen war, und so spazierte ich mit ihm den selben Weg wieder zurück.
Vom »Roadhouse« kam Musik, kam Gelächter und Geschrei. Ganz finster war es nun. Den Weg weiß ich auswendig, Nuo Líng folgt mir.
Ich berichte von den drei Reitern, von dem Mann mit den heilkräftigen Händen (Nuo Líng: »das war Ozan!«) und dass dieser Ozan mit Tamburin eine Musik gemacht habe.
Wie lange das dauerte, will Nuo Líng wissen. »Man muss gut zuhören! Lange zuhören! Darf kein Wort reden!«
Dann können wir es riechen: der Dornstrauch schmort noch vor sich hin.
Wir sind angekommen, schauen aufs Meer. Am Horizont ist noch rötliches Licht.
Nuo Líng riecht noch etwas! Es müssen in der Nähe ein paar Pferdeäpfel liegen. Und Maracuyas riecht er auch. Die Reiter hatten sie mitgebracht, die ausgelutschten Maracuyas liegen noch umher.
Jetzt erst fällt mir ein, warum ich gleich zu Nuo Líng musste: die goldene Münze!
Mein Herz klopft, ich muss mich hinsetzen.
Nuo Líng setzt sich neben mich.
Pustet in den kokelnden Dornbusch, wo es gleich wieder aufglüht.
Ich zeige ihm die Münze. Unsere Augen haben sich an die Dunkelheit gewöhnt: sie blinkt golden.
»Die hat mir das kleine Mädchen gegeben! Für dich!«
Warte, sagt Nuo Líng. Öffnet seine Jacke.
Knöpft sein Hemd auf, und siehe da, auch er - wie das kleine Mädchen - trägt eine Kette aus Münzen. Schau, sagt er, legt einen Arm um mich.
Ich spüre seine Wärme, rieche seinen Duft. Seine Kette ist aus ebensolchen Münzen wie die des Mädchens. Schau genau her! sagt Nuo Líng. Seine Münzen sind aus Silber, die des Mädchens aus Gold.
Wir gehen zurück, hoch in der Luft trägt uns der Wind leuchtende Himmelslaternen entgegen.
14:16:14 COT
Dienstag, 9. Januar 2018
Bria schrieb am 7.1. 2018 um 12:51:51 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Eigentlich will ich mich besinnen, mich erinnern, was am Silvesterabend sich alles zugetragen hat. Mit Nuo Líng. Mich erinnern und für alle Zeit festhalten.
Es kommen mir aber immerzu die unerfreulichen Briefe in den Sinn, aus Berlin, von meiner Familie. Weihnachts- und Neujahrsgrüße, gestern erst eingetroffen.
Hätte ich nur nie von Mora berichtet.
Mora existiere nicht. Ich hätte es mit Phantasten zu tun, die es nur auf mein Geld abgesehen haben. Allenfalls könnte Mora eine Sträflingsinsel sein, die meinen sogenannten Freunden wohl nur allzugut bekannt sei. Ich solle meine Masterarbeit so bald wie möglich beenden, zurückkehren, die mir angebotene Assistentenstelle an der FU annehmen.
Tröstlich war der Brief meiner Schwester Barbara, die in Baltimore lebt. Sie hat im Katalog der großen Joseph Cornell-Ausstellung von 1980 im MoMA ein interessantes Objekt entdeckt.
Es nennt sich »Rose de Vents« und ist eine kleine Kiste mit aufgeklapptem Deckel. Die Innenseite des Deckels ist mit dem Ausschnitt aus einer alten Landkarte beklebt.
Auf dieser Land- eher Seekarte sind die Nukleiden zu sehen! Zwar taucht der Name Mora nicht auf, aber die ursprünglichen Namen Lassen, Loren und Tan, sowie weitere Inseln, die nicht bezeichnet sind. Und im weiten Bogen steht da, unübersehbar, N u c l e i d e s .
06:52:28 COT
Sonntag, 7. Januar 2018
Bria schrieb am 28.2. 2018 um 17:35:19 Uhr zu
Bewertung: 1 Punkt(e)
Die 'Ricercar' fáhrt nur sehr gemáchlich, fúr den Kommandanten die Gelegenheit, das Schiff, so sauber es ist, noch einmal putzen, und so weiss es ist, noch einmal weiss streichen zu lassen.
Viele Matrosen bevorzugen den Stalldienst. Haben aber den Ehrgeiz, beim Ausmisten und Fúttern die weisse Arbeitskluft zu schonen. Ich glaube, so manchem ist der Umgang mit Pferden sehr vertraut und erinnert an lángst vergangene Zeiten.
Ich klettere auf dem Schiff umher und treffe auf Matrosen, die Freiwache haben, und etwa in einem Rettungsboot unter einer Plane Schlaf nachholen.
Kommen keine Kommandos aus den úberall angebrachten Lautsprechern, klingt Musik.
Diese kolumbianische Musik, oberfláchlich so banal, ist mit einer so schrágen Harmonik unterlegt, dass ich seekrank werden kónnte. Nuo Líng, gar nicht dumm, meint, weil ich bereits etwas seekrank bin, empfinde ich die Harmonik so schrág. Tatsáchlich habe ich solche Musik schon tausendmal gehórt und noch nie als unangenehm empfunden.
Dann war mit einem Mal alte Popmusik zu hóren. Schon als Baby wurde ich mit 'Whiter Shade of Pale' ruhiggestellt.
Hier im Funkraum ist ein alter Fernschreiber. Eine Rolle inzwischen etwas vergilbtes Papier ist eingespannt. Ausserdem ist da diese Rohrpost-Verbindung zur Brúcke.
Ich schreibe:
// funkraum an bruecke / ich bria will vor ankunft mora noch einmal whiter shade of pale hoeren / danke //
Dann reisse ich das Papier ab und falte es und stecke es in eine der vielen Rohrpostdosen. Klappe auf, Dose eingelegt, Klappe zu. Der Knopf da wird wohl der Auslóser sein. Und tatsáchlich, mit einem explosionsartigen Geráusch schiesst die Dose los.
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