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positiv bewertete Texte
Der erste Text am 6.9. 2003 um 15:16:51 Uhr schrieb
Diethelm P. Krause über Blumenverkäufer
Der neuste Text am 21.1. 2025 um 22:16:17 Uhr schrieb
Christine über Blumenverkäufer
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am 18.8. 2012 um 02:04:00 Uhr schrieb
Diethelm P. Krause über Blumenverkäufer

am 14.8. 2012 um 01:15:09 Uhr schrieb
Diethelm P. Krause über Blumenverkäufer

am 17.9. 2015 um 18:17:38 Uhr schrieb
Kundin über Blumenverkäufer

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Assoziationen zu »Blumenverkäufer«

Ditti Krause schrieb am 15.9. 2003 um 21:49:19 Uhr zu

Blumenverkäufer

Bewertung: 2 Punkt(e)

»Ich habe die Fotos dabei«, sagt die Hundebesitzerin zu ihrer Freundin und wirft ihre Umhängetasche auf das Sofa. Der Hund ist inzwischen schon zur Freundin gelaufen und wedelt erwartungsvoll mit dem Schwanz. »Ich habe nichts für Dich«, spricht die Freundin den Hund an. »Er hatte schon sein Futter und braucht nichts zu naschen. Das ist nichts als eine dumme Gewohnheit, die mit der nötigen Bestimmtheit ignoriert werden muss«, führt die Hundebesitzerin aus. »Er bittet mich aber so liebevoll, daß ich ihm gerne etwas geben würde«, erwidert die Freundin, während der Hund vor ihr sitzt und sie regungslos anschaut. »Erstens hast Du nichts, wie Du selbst schon betont hast. Wenn der Hund etwas klüger wäre, hätte er diese Aussage längst zur Kenntnis genommen und sein Bitten aufgegeben. Zweitens ist der bettelnde Blick ja gerade sein Trick, an dem er selbst dann festhalten würde, wenn er die Aussichtslosigkeit seines Tuns begriffen hätte, um den Boden für einen zukünftigen Erfolg zu ebnen und Dich vor der nächsten Begegnung zwischen Euch zur Beschaffung von Hundekuchen zu bewegen«, erläutert die Hundebesitzerin. »Wenn der Hund so vorausschauend ist, ist er zweifellos sehr klug und in den Feinheiten der Psychologie zwischen Mensch und Tier recht bewandert«, entgegnet die Freundin. »Du kennst das Spiel doch schon lange. Wenn Du Dir immer wieder von neuem über Dein Verhalten Gedanken machst und es in Frage stellst, möglicherweise gar über eine Änderung des Rituals nachdenkst, so hat der Hund scheinbar Erfolg gehabt«, sagt die Hundebesitzerin etwas gereizt. Der Hund wechselt während des Gesprächs immer noch sitzend die Blickrichtung, je nachdem wer gerade das Wort ergreift. »Ich fühle aber seine Wärme«, erwidert die Freundin knapp. »Ach was! Das sind die artspezifischen Gene!«, ruft die Hundebesitzerin laut aus. Die Freundin winkt nur ab, um das Gespräch abzubrechen. Die Hundebesitzerin schaut nachdenklich zu Boden und wirft einen Blick auf ihren Hund, bevor sie leise hinzufügt: »Ich mag ihn auch. Aber er hatte eben schon genug FutterNachdem sie einen Moment schweigen, geht der Hund zum Sofa, auf dem seine Besitzerin sich niedergelassen hat, legt sich ihr zu Füssen und seinen Kopf zwischen seine Vorderpfoten. Dann hört er auf, mit dem Schwanz zu wedeln und ist ganz still. »Ist eigentlich davon auszugehen, daß jemand, der etwas von Pflanzen versteht, auch mit Hunden umgehen kann?«, unterbricht die Hundebesitzerin nach einigen Sekunden das Schweigen. »Was?«, fragt die Freundin verwundert zurück. »Oder allgemein mit Tieren?«, ergänzt die Hundebesitzerin ihre Frage. »Ja, vielleicht mit Blattläusen«, antwortet die Freundin lachend. »Ein Blumenverkäufer zum Beispiel?«, fährt die Hundebesitzerin unbeirrt fort, ohne die Antwort der Freundin zu beachten. »Ein Blumenverkäufer, der einen Hund hält, wird auch etwas von Hunden verstehen«, entgegnet die Freundin. »Ich weiß aber nicht, ob er einen Hund hat, und frage mich außerdem, ob ihn das Dasein als Blumenverkäufer als solcher zu einem Tierkenner machen kann«, bohrt die Hundebesitzerin hartnäckig nach. »Das ist offensichtlich abwegig, da Pflanzen und Tiere nicht ein und dasselbe sind«, erwidert die Freundin spitz. »Das dachte ich mir auch«, sagt die Hundebesitzerin zögernd und bleibt nachdenklich in ihren Überlegungen stecken. »Zeig mir doch lieber einmal die Fotos!«, fordert nun die Freundin, die sich plötzlich ungeduldig an den Grund des Besuchs der Hundebesitzerin erinnert. »Hier!«, sagt die Hundesitzerin, nachdem sie einen kleinen Packen Fotos aus ihrer Umhängetasche gezogen hat, und wirft sie ihrer Freundin auf das Bett, auf dem diese es sich auf dem Bauch liegend bequem gemacht hat. »Der Abstellraum wird doch noch ausgeräumt?«, kommentiert die Freundin fragend das erste Foto, das sie nun betrachtet. Die Hundebesitzerin beugt sich vor, um das auf dem Kopf stehende Bild sehen zu können. »Das ist nicht der Abstellraum«, entgegnet sie. »Nein?«, fragt die Freundin zurück. »Glaubst Du etwa, wir hätten in der Wohnung einen Abstellraum zur Verfügung«, antwortet die Hundebesitzerin brüsk und fährt fort: »Das ist das Wohnzimmer.« »Aber es sieht so dunkel aus«, entgegnet die Freundin verwundert. »Es ist ja auch im Keller und hat nur ein kleines Oberlicht als Fenster«, erläutert die Hundebesitzerin. »Und dieses Durcheinander?«, fragt die Freundin zurück, während sie in dem Stapel weiterblättert. »Der Vermieter sagt, angesichts der günstigen Miete, die er uns angeboten hätte, wären wir schon selbst dafür verantwortlich, auszuräumen und zu renovieren«, antwortet die Hundebesitzerin. »Im Bad wäre offensichtlich auch einiges zu tun«, sagt die Freundin, während sie ein Foto in Augenschein nimmt, das ein dickes rostiges Rohr zeigt, welches unter der Decke neben einer Neonröhre entlang läuft. »Das ist nicht das Bad«, erwidert die immer noch vorgebeugte Hundebesitzerin und fügt hinzu, »das ist immer noch das Wohnzimmer. Es hat ein Heizungsrohr für die Versorgung der Wohnungen in den oberen Stockwerken«. »Oh«, stöhnt die Freundin auf, während die Hundebesitzerin ihre Rede fortsetzt: »Das Bad müssen wir nicht renovieren.« »Ah, ein Lichtblick«, fährt die Freundin dazwischen. »Es gibt kein Bad. Aber eine Toilette im Flur neben dem Hauseingang im Erdgeschoss ist vorhanden«, beendet die Hundebesitzerin ihre Ausführungen. Die Freundin hat inzwischen immer mehr ihre Stirn in Falten gelegt und blättert die Fotos immer schneller bis zum Ende des Stapels durch. »Das ist ein Dreckloch«, fasst sie ihr Urteil zusammen. »Aber die Miete ist günstig«, wirft die Hundebesitzerin ein. »Die Miete, die Du mir gestern genannt hast, ist doch für eine zum Wohnzimmer deklarierte Abstellkammer mit rostigem Durchlaufrohr nicht günstig«, entgegnet die Freundin. »Doch, weil wir sie durch Drei teilen können«, erwidert die Hundebesitzerin. »Wie bitte?«, ruft die Freundin entsetzt auf. »Die Tochter unseres Kochs, die selbst gerade mit einer Lehre als Köchin begonnen hat, wird mit uns einziehen«, erklärt die Hundebesitzerin ihrer Freundin. »Wie wärs, wenn Du mich vorher fragen würdest, mit wem ich eine Wohnung teilen soll«, entgegnet die Freundin, wobei sie der Hundebesitzerin einen bösen Blick zuwirft. »Stell Dich nicht so an. Sie ist sehr freundlich. Außerdem hast Du gestern noch gesagt, Du willst unter allen Umständen ausziehen«, verteidigt sich die Hundebesitzerin. Die Freundin lässt seufzend ihren Kopf am der Hundebesitzerin zugewendeten Ende des Betts herabhängen und bleibt schweigend in dieser Position, ohne zu antworten. Die Hundebesitzerin lehnt sich in das Sofa zurück und blickt abwesend zum Fenster, durch das eine Straßenlaterne blaues Licht auf die auf dem Bett zerstreuten Fotos wirft, in die der geordnete Packen nach der Durchsicht zerfallen ist. Während die Hundebesitzerin ihre Füße auf das Sofa legt, streichelt die Freundin mit einem ausgestreckten Arm dem Hund, der sich müde auf die Seite gelegt hat, über das weiche Bauchfell. Nur sein zufriedenes Knurren durchbricht die Stille, die sich über das Zimmer der Freundin gelegt hat.

Diethelm P. Krause schrieb am 8.9. 2003 um 21:35:19 Uhr zu

Blumenverkäufer

Bewertung: 1 Punkt(e)

»Ich habe immer noch schwerste Bedenken unser kommendes Auftreten auf der Geburtstagsfeier meines Chefs betreffend«, flüstert der Kunde dem Blumenverkäufer mit kleinlauter Stimme zu. »Aber Ihre Bedenken sind sicherlich unbegründet und rühren nur von Ihrer übertriebenen Vorsicht her«, versucht der Blumenverkäufer seinen Kunden zu beruhigen. »Nein, bedenken Sie nur, daß es drei Fehltritte geben wird, die meinen Chef an meinem Verstand und dem Respekt an seiner Person zweifeln lassen könnten: Wir fahren mit einem nicht hinreichend gereinigten Auto vor, die in dieses Fliederpapier gewickelte Flasche Schnaps befindet sich in einem fragwürdigen geöffneten Zustand und Ihr Auftauchen als eines nicht geladenen Gastes könnte leicht als übermütige Dreistigkeit erscheinen«, begründet der Kunde seine Zweifel. »Für die Flasche Schnaps wird zuletzt der Inhalt sprechen, der Ihrem Chef eine Freude bereiten wird, welche der Strauß der von Ihnen als Geschenk geplanten Blumen niemals hätte erreichen können. Und was meine Person betrifft, so werde ich mich soweit im Hintergrund halten, daß von einer Störung der Feierlichkeiten nicht die Rede sein wird«, beginnt der Blumenverkäufer die Skrupel des Kunden auszuräumen. »Aber das Fahrzeug ist und bleibt ein schmutziger Dorn im Auge jedes Geburtstagsgastes, nachdem unser Besuch in der Waschstraße nun so kläglich gescheitert ist«, setzt der Kunde seine Rede fort. »Darüber habe ich nun schon die letzten Minuten unserer Fahrt mit aller Kraft nachgedacht und bin zu einer Lösung gekommen, die Ihre Bedenken ein für alle Mal ausräumen wird«, kündigt nun der Blumenverkäufer an. Der Kunde schaut ihn voller Erwartung und neu geschöpfter Hoffnung an, während der Blumenverkäufer fortfährt: »Wir werden nämlich nicht vor dem Haus Ihres Chefs parken, sondern in einer Seitenstraße, die der Aussicht aus seinem Fenster entzogen istDer Kunde wendet sich enttäuscht wieder der Straße zu: »Nein, das ist ganz unmöglich. Wir müssen vor dem Haus meines Chefs parken.« »Aber warum denn?«, fragt der Blumenverkäufer. »Er wird aus dem Fenster schauen und einen Blick auf das parkende Auto werfen wollen«, entgegnet der Kunde. »Aber wozu? Er kennt Ihr Auto doch bestimmt und hat keinen Anlass, zu seinem Geburtstag an ihm eine Veränderung zu erwarten«, erwidert der Blumenverkäufer. »Aber ich bin Prokurist«, wirft der Kunde ein. »Ach so«, staunt der Blumenverkäufer. »Sie müssen wissen, daß mein Chef unter allen Umständen ein standesgemäßes Verhalten erwartet, das ohne ein repräsentierendes Fahrzeug niemals sichergestellt werden kann. Er wird daher nicht einmal mit der bloßen Anwesenheit meines Autos sich zufrieden geben können, sondern es vielmehr in einem Zustand vorfinden wollen, in dem sich die Position widerspiegelt, die er mir mit allerhöchstem Vertrauen zugewiesen hat«, erläutert der Kunde seine Ablehnung des Vorschlags des Blumenverkäufers. »Gewiss hat Ihr Chef die allergrößte Veranlassung, gerade Ihnen sein Vertrauen entgegen zu bringen«, wirft der Blumenverkäufer ein. »Eben darum habe ich unbedingt jeder Enttäuschung über diese Entscheidung entgegen zu wirken«, antwortet der Kunde. »Doch befinden wir uns nun in einer Zwickmühle«, beginnt der Blumenverkäufer und fährt fort, »denn die Anwesenheit Ihres Fahrzeugs vor dem Haus Ihres Chefs wird ihn dessen schmutzigen Zustand bemerken und Zweifel an Ihrer Sorgfalt, ja noch schlimmer, an der Sorgfalt aufkommen lassen, mit der Sie das Amt besorgen, das er Ihnen anvertraut hat. Die Abwesenheit des Fahrzeugs aber wird ihn in eine Verwunderung stürzen, worauf dieser Umstand nur zurückzuführen ist. Jedoch bedenken Sie: Am verschmutzten Zustand Ihres Autos ist nun nichts mehr zu retten, wenn wir nicht eine Verspätung riskieren wollen...« »Undenkbar!«, ruft der Kunde entsetzt dazwischen. »Sehen Sie«, fährt der Blumenverkäufer fort, »uns bleibt also nur der Ausweg, das Auto in einer Seitenstraße zu parken und einen überzeugenden Grund für die Abwesenheit des Autos vor dem Haus Ihres Chefs zu finden«, beendet der Blumenverkäufer seine Schlussfolgerungen. Die Stirn des Kunden hatte sich während der ganzen Rede des Blumenverkäufers immer mehr in Falten gelegt, als er gewahr wurde, in welchem Dilemma er sich nun tatsächlich befand. »Einen solchen Grund kann ich mir überhaupt nicht denken, zumal mein Chef mit äußerster Genauigkeit unserer Argumentation folgen wird«, wirft der Kunde nun ein. »Wir könnten ihm sagen, der Parkplatz vor dem Haus sei belegt gewesen«, schlägt der Blumenverkäufer vor. »Aber wenn es nun nicht der Fall ist?«, fragt der Kunde zurück. »Dann sagen wir, der Parkplatz sei belegt gewesen, als wir vorfuhren, so daß wir in eine Seitenstraße gefahren sind, und als wir zu Fuß vom Parkplatz aus das Haus Ihres Chefs erreichten, sei das dort parkende Fahrzeug gerade davon gefahren«, verfeinert der Blumenverkäufer nun seinen Vorschlag. »Aber mein Chef wird sich fragen - ob er dies nun äußert oder nicht - warum wir nicht nach Freiwerden des Parkplatzes zu unserem Fahrzeug zurückgekehrt sind, um schleunigst die Lücke vor seinem Haus zu belegen und so den Anforderungen, die er an mich und meine Position stellt, gerecht zu werden«, sagt der Kunde. »Wir werden in dem Fall antworten, daß wir die Gefahr gesehen haben, daß nach unserer Rückkehr der Parkplatz von neuem belegt sein könnte«, versucht der Blumenverkäufer, dem Einwand des Kunden zu begegnen. »Glauben Sie, ich könnte mir erlauben, diese Gefahr zu scheuen, wo es um die berechtigten Interessen meines Chefs geht? Außerdem hätten Sie den Platz vor dem Haus freihalten können, während ich das Fahrzeug von seinem unmöglichen Parkplatz hole. Das würde auch gleichzeitig ein Stück Ihrer gesamten ungebetenen Anwesenheit auf der Geburtstagsfeier meines Chefs rechtfertigen«, erwidert der Kunde. Noch bevor der Blumenverkäufer antworten kann, fügt der Kunde als vermeintlich letzten Schlag gegen die Vorschläge des Blumenverkäufers hinzu: »Und bedenken Sie, daß es nicht nur einen Parkplatz vor dem Haus meines Chefs gibt!« »Aber in dieser Hinsicht ist es ganz klar, daß Ihrer Stellung entsprechend für Sie nur der beste Parkplatz - natürlich nach dem Parkplatz Ihres Chefs selbst - in Frage kommen kann. Das wird Ihr Chef keinesfalls anders sehen. Es kann daher doch nur ein möglicher Parkplatz vor dem Haus für Sie übrig bleiben«, antwortet der Blumenverkäufer prompt. »Das kann in der Tat nicht anders sein, was aber die Absurdität Ihres Vorschlags nicht mindert. Wir müssen des weiteren damit rechnen, daß mein Chef schon jetzt, während wir sein Haus noch gar nicht erreicht haben, am Fenster steht und unsere Ankunft erwartet, in jedem Fall also alle Parkplätze in Beobachtung hat und über ihre Belegung im Stillen und für sich längst Buch führt. Ihm also vorzugaukeln, der mir allein gemäße Parkplatz sei belegt gewesen, kann sich für ihn als niedrige Lüge entpuppen, was es ja auch tatsächlich ist. Über die Folgen dieser Erkenntnis wage ich hier gar nicht nachzudenken«, führt der Kunde verzweifelt aus. »An dieser Stelle muss ich einräumen, daß Ihre Bedenken nicht von der Hand zu weisen sind«, gibt der Blumenverkäufer zu und denkt ein paar Sekunden schweigend nach, während der Kunde kopfschüttelnd seine Fahrt fortsetzt. »Wir sagen einfach, wir wollten den Parkplatz für die Frau Ihres Chefs freilassen«, sagt der Blumenverkäufer plötzlich. »Sie wohnt doch bei ihm und braucht keinen eigenen Parkplatz«, weist der Kunde die neue Idee des Blumenverkäufers sofort zurück. »Haben Sie denn keinen gebrechlichen Mitarbeiter in Ihrem Unternehmen?«, fragt der Blumenverkäufer. »Nein«, antwortet der Kunde. »Denken Sie nach!«, fordert der Blumenverkäufer. »Nein, nein, nur unser Oberbuchhalter ist sehr schwerfällig«, entgegnet der Kunde. »Aha«, ruft der Blumenverkäufer aus. »Er ist sehr dick«, sagt der Kunde. »Da haben wir es doch!«, freut sich der Blumenverkäufer und fährt fort, »wir werden Ihrem Chef angeben, aus Rücksicht vor der hinderlichen Schwerfälligkeit Ihres Oberbuchhalters den Parkplatz direkt vor dem Haus nicht belegt zu haben, um ihm den Zugang ins Haus zu erleichtern.« »Aber er ist nur Oberbuchhalter und nicht Prokurist«, wirft der Kunde ein. »Aber Ihr Chef wird Ihre Rücksichtnahme als Tugend zu schätzen wissen«, sagt der Blumenverkäufer. »Das ist sehr fragwürdig«, entgegnet der Kunde. »Sie müssen eben während der Geburtstagsfeier Ihrer Stellung durch eine kleine Gemeinheit gegen den Oberbuchhalter Geltung verschaffen, welche als Ausgleich dient gegen Ihr Zurückstecken bei der Belegung des Parkplatzes«, schlägt der Blumenverkäufer vor. »Das kann ich nicht«, sagt der Kunde. »Seien Sie nicht zu zaghaft!«, fährt der Blumenverkäufer dazwischen und setzt seine Rede fort, »außerdem erheben Sie sich schon durch die bloße Rücksicht über den Oberbuchhalter, dessen Leibesfülle Sie damit zur Gebrechlichkeit stempeln«. »Das ist doch widerlich!«, ruft der Kunde entsetzt aus. »Ja, Sie haben recht, aber es scheint mir in Ihrer Lage der einzige Ausweg zu sein«, stimmt ihm der Blumenverkäufer zu. Inzwischen nähern sie sich der Siedlung, in welcher der Chef wohnt. »Dem Oberbuchhalter möchte ich tatsächlich den besten Platz vor dem Haus meines Chefs überlassen, um ihm den Gang ins Haus nicht zu beschwerlich werden zu lassen«, spricht der Kunde leise vor sich hin. »Sehen Sie!«, freut sich der Blumenverkäufer über die sich nun ankündigende Entscheidung. »Ich werde genau die Reaktion meines Chefs über dieses Verfahren beobachten müssen. Bei den leisesten Zweifeln an meiner Person und meinem Amt werde ich mich an seine Seite stellen und mich über den Oberbuchhalter erheben müssen. Dabei werde ich jedoch von seiner Schwerfälligkeit keinen Gebrauch machen, sondern mich nur gegen seine buchhalterische Tätigkeit wenden«, spinnt der Kunde seine Pläne fort. »Die plötzliche Klarheit, mit der Sie alles vorauszusehen wissen und sich auf jede überraschende Situation vorzubereiten scheinen, freut mich«, begeistert sich der Blumenverkäufer über die nun gefundene Vorgehensweise. Dann biegen der Kunde und der Blumenverkäufer von der Hauptstraße ab und fahren in die Siedlung, in welcher der Chef wohnt, ein.

Diethelm P. Krause schrieb am 7.9. 2003 um 18:46:11 Uhr zu

Blumenverkäufer

Bewertung: 1 Punkt(e)

»Da! Ich halte an!«, ruft plötzlich der Kunde des Blumenverkäufers auf der Fahrt zur Geburtstagsfeier seines Chefs aus. »Warum? Wo?«, fragt der Blumenverkäufer neben ihm. »Dort ist eine Waschstraße. Das Auto muss einfach sauber sein, wenn wir vor dem Haus meines Chefs parken«, entgegnet der Kunde. »Nein, nein, fahren Sie weiter, ich habe ein ungutes Gefühl«, sagt der Blumenverkäufer. »Aber es ist eine Waschstraße mit Lappentechnik. Sehen Sie das große Reklameschild!«, erläutert der Kunde. »Wir waren aber doch übereingekommen, daß der Nieselregen für eine ausreichende Sauberkeit Ihres Fahrzeugs sorgen wird. Lassen Sie uns die Fahrt besser ohne Unterbrechung fortsetzen. Auch entgehen wir damit der Gefahr, uns zur Geburtstagsfeier Ihres Chefs zu verspäten«, wirft der Blumenverkäufer ein. »Niemals aber kann ein einfacher Nieselregen die Leistung einer in Lappentechnik betriebenen Waschstraße ersetzen«, verteidigt der Kunde seine Entscheidung, die Fahrt an der Waschstraße zu unterbrechen. »Tun Sie, was Sie nicht lassen können! Ich aber rate Ihnen schon jetzt von einer Pause in einer Waschstraße ab. Das Risiko einer Verspätung bei Ihrem Chef scheint mir entschieden zu groß zu sein«. Der Blumenverkäufer ist etwas beleidigt wegen der Störrigkeit des Kunden. »Das tue ich auch«, sagt der Kunde und wendet sein Auto in die Einfahrt der Waschstraße, wo der Waschstraßenmeister sofort im Eilschritt auf ihn zuläuft. »Sehen Sie nur, mit welcher Eilfertigkeit wir hier bedient werden. Drehen Sie die Scheibe hinunter, der Waschstraßenmeister scheint uns selbst in seine Obhut nehmen zu wollen«, erläutert der Kunde dem Blumenverkäufer, der seiner Aufforderung sofort Folge leistet. »Wir haben geschlossen«, ruft der Waschstraßenmeister kurz angebunden in das Auto. »Sehen Sie, fahren Sie weiter«, freut sich der Blumenverkäufer über diesen sich ankündigenden Misserfolg der Fahrtunterbrechung. »Aber wie ist das möglich? Auf Ihrem Schild steht, daß Ihre Waschstraße bis 20 Uhr geöffnet ist und es ist gerade erst 19 Uhr 30. Auch sehe ich das Einfahrtstor in die Waschstraße noch halb geöffnet«, erwidert der Kunde fragend dem Waschstraßenmeister. »Heute ist aus besonderen Gründen, die ich Ihnen nicht zu erläutern habe, die Waschstraße früher geschlossen«, antwortet der Waschstraßenmeister dem Kunden kurz und bündig. »Damit kann ich mich unmöglich zufrieden geben. Wenn es so wäre, haben Sie es versäumt, schon an der Einfahrt auf Ihr Gelände auf diesen besonderen Umstand hinzuweisen. Ich verlange daher in diesem Moment eine Wagenwäsche in Ihrer Waschstraße«, bringt der Kunde aufgebracht hervor. »Der gegenwärtige technische Zustand meiner Waschstraße macht eine ordnungsgemäße Wagenwäsche unmöglich«, erwidert der Waschstraßenmeister, sichtlich um Fassung ringend. »Aber dies ist doch eine mit ausgereifter Lappentechnik betriebene Waschstraße, wie Ihr Raklameschild an der Geländeeinfahrt es anpreist«, wirft der Kunde ein. »Aber wir haben eben gerade ein technisches Problem, das die generelle Überlegenheit der Lappentechnik über jede andersartig installierte Waschstraße nicht in Frage stellen kann«, schreit der Waschstraßenmeister plötzlich wütend und fuchtelt mit einem Wagenheber in der Luft herum, den er schon die ganze Zeit in Händen gehalten hat. »Nehmen Sie doch endlich zur Kenntnis, daß es keinen Sinn hat, und fahren Sie zurück auf die Straße«, unterstützt nun der Blumenverkäufer den Waschstraßenmeister in seiner Rede gegen den Kunden. Da wird das Einfahrtstor in die Waschstraße von innen ganz aufgerissen und der Waschstraßenkunde erscheint aus dem Dunkel der Waschstraße. »Da sehen Sie mein Problem«, ruft der Waschstraßenmeister und reckt den Wagenheber drohend in Richtung des Waschstraßenkunden. »Ihre Waschstraße ist ein Saustall«, nähert sich der Waschstraßenkunde brüllend dem Auto des Kunden und wirbelt zwei Waschstraßenlappen in der Luft herum. »Seien Sie nun endlich still vor den Kunden meiner Waschstraße, sonst wende ich mich dem Kofferraum Ihres Fahrzeugs zu, daß es ihm ebenso ergehe wie seiner Kühlerhaube«, schreit der Waschstraßenmeister aufgebracht dem Waschstraßenkunden entgegen. »Widerliche, stinkende und schmutzige Smerlappen! Aus nichts als Smerlappen besteht Ihre ganze gepriesene Lappentechnik!«, schreit der Waschstraßenkunde außer Fassung und schleudert die Lappen auf die Windschutzscheibe des Autos des Kunden. »Lassen Sie uns schleunigst von hier verschwinden«, fleht der Blumenverkäufer ängstlich seinen Kunden an. »Der Umgangston in dieser Waschstraße scheint nun auch mir bedenklich zu sein«, erwidert der Kunde, mittlerweile seine eigene Entscheidung anzweifelnd. »Dreschen Sie nicht noch einmal auf die Fahrzeuge meiner Kunden mit den Lappen meiner Waschstraße ein«, brüllt der Waschstraßenmeister den Waschstraßenkunden an, läuft mit erhobenem Wagenheber auf das in der Einfahrt zur Waschstraße abgestellte Auto des Waschstraßenkunden zu und schleudert den Wagenheber mit voller Wucht auf den Kofferraum. »Nun fahren Sie doch endlich, um Gottes willen! Sehen Sie nur die zertrümmerte Kühlerhaube des Fahrzeugs des Waschstraßenkunden! Wollen Sie, daß es Ihrem Auto nicht anders ergeht und damit vor dem Haus Ihres Chefs vorfahren?«, ruft der Blumenverkäufer flehend dem Kunden entgegen. »Sie haben ja recht. Ich bin Prokurist«, entgegnet der Kunde. »Also, fahren Sie schon!«, bittet der Blumenverkäufer den Kunden. Der Kunde wendet sein Fahrzeug, während beide sehen, wie der Waschstraßenkunde stürmend in die Waschstraße läuft und sich an den letzten noch in seiner Verankerung hängenden Lappen klemmt und mit aller Gewalt an diesem zerrt. Als der Kunde und der Blumenverkäufer auf die Straße einbiegen, sehen sie durch das immer noch geöffnete Seitenfenster, wie der Lappen von der Decke reißt und der Waschstraßenkunde mit dem umklammerten Lappen in eine Pfütze stürzt. »Sehen Sie jetzt die hässlichen Lappenstreifen auf der Scheibe!«, sagt der Blumenverkäufer vorwurfsvoll zum Kunden. »Sie hatten wieder einmal völlig recht. Hätte ich nur auf Sie gehört! Diese Unterbrechung hat uns nichts als zusätzliche Verschmutzung statt einer Wagenwäsche gebracht«, stöhnt der Kunde zerknirscht. »Ich hatte dieses ganze Übel geahnt. Wir müssen nun hoffen, daß der immer noch anhaltende Nieselregen die Spuren der Lappen beseitigt, bevor wir das Haus Ihres Chefs erreichen«, entgegnet der Blumenverkäufer. »Hoffentlich nur reicht die Fahrt, die nicht mehr lange dauern wird, aus«, stöhnt der Kunde des Blumenverkäufers und lehnt sich voller Selbstvorwürfe nach vorne, um sich auf die nasse Straße zu konzentrieren.

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