helmut schrieb am 30.5. 2014 um 12:57:56 Uhr zu
Bewertung: 6 Punkt(e)
Weiter hinauf ändert sich die Beschaffenheit des Gebirges: homogene, dichte Kalkbänke, mehrere Zoll stark, wechseln mit großer Regelmäßigkeit mit gleichstarken grauen Mergelbänken ab, über welche die Kalke gesimsartig hervortreten. Wo diese Bildung in mächtigen Wänden entblößt ist, da glaubt man eine Mauer vor sich zu haben. Dies ist die Region des Ceratites nodosus, der nach oben durch die verwandte Form des Ceratites semipartitus vertreten wird. Mitten durch diese Nodosuskalke geht eine in dem Bezirke sehr ausgezeichnete Bank, welche, mit Ausschluß aller größeren Formen, eine nur 10–12 mm große Terebratula vulgaris, die somit noch entschieden kleiner ist, als die im Wellendolomit am Schwarzwald vorkommende Form, so massenhaft enthält, daß die Bank nahezu aus Terebrateln zu bestehen scheint. Die Anhäufung dieser kleinsten Form der Terebratula vulgaris in dieser einen Bank findet sich in großer Ausdehnung in dem Bezirke: auf der Elpersheimer Höhe (Ecke der dortigen Markungsgrenze), bei Roth, im langen Grund bei Stuppach, bei Niederstetten, bei Neubronn, bei Rothenburg, bei Sailtheim, zwischen Deubach und Königshofen u. s. w. Da diese Bank auch in dem westlich angrenzenden badischen Gebiete und in der Würzburger Gegend sehr constant sich wiederfindet, so gewährt sie für diese Gegenden einen bequemen Anhaltspunkt zur Orientirung. Der Ceratites semipartitus, der in den oberen Bänken dieser Abtheilung liegt, fehlt in dem Bezirke keineswegs, aber deutlich aufgeschlossen ist die Region nirgends.
friß an frankreich schrieb am 6.5. 2014 um 14:18:58 Uhr zu
Bewertung: 4 Punkt(e)
Gering freilich ist die Zahl dieser Gläubigen, die den gebildeten Ständen angehören, aber sie hoffen, daß das neue Licht sich weiter verbreiten werde, und halten sich ihres Glaubens willen für keine schlechteren Christen, als Andere. In ihrem Versammlungssaale steht ein runder Tisch von Mahagoniholz mit einem Psychograph versehen, auf welchen ringsum die Buchstaben des Alphabetes eingeschoben werden. Die Gemeinde beginnt mit einem Gebet, in welchem der göttliche Geist angefleht wird, dann legen sie die Hände auf und sobald der Tisch in Bewegung gesetzt ist, stellt der Vorsteher, Mr. de M., die Frage, ob er gestatte, heute durch ihn den Ausspruch Gottes zu vernehmen? worauf er sich nun entweder bejahend neigt oder sich, falls er die Gemüthsverfassung der Versammlung nicht für geeignet hält, verneinend schüttelt.
liebling schrieb am 1.2. 2016 um 17:29:05 Uhr zu
Bewertung: 3 Punkt(e)
Schon zu Lebzeiten Ferdinand Maria’s war die Vermählung des Kurprinzen Max Emanuel mit der ältesten Nichte König Ludwig’s XIV., Mademoiselle de Valois, sowie des Dauphin mit der bairischen Prinzessin Maria Anna in’s Auge gefaßt und deshalb 1675 zwischen S. und dem französischen Gesandten in Basel, Abbé Gravel, verhandelt worden. 1679 wurde der Plan wieder aufgegriffen, und der französische Geschäftsträger Colbert berichtete, er habe an dem Kanzler S. einen ebenso anhänglichen, wie geschäftsgewandten Bundesgenossen gefunden. Die Heirath des Dauphin mit der baierischen Prinzessin kam auch zu stande, obwohl im Auftrage Kaiser Leopold’s zuerst Graf Johann Hartwig Nostitz, dann Graf Franz v. Lobkowitz sich alle Mühe gaben, die gefährliche Verschwägerung des baierischen Hofes mit dem französischen zu hintertreiben. Der Vormund des minderjährigen Kurfürsten und Vorsitzende des Regentschaftsrathes, Herzog Maximilian Philipp, war den Franzosen nichts weniger als freundlich gesinnt, der Beichtvater des Kurfürsten, P. Spinelli, die Geheimräthe Törring, Dellmuck und viele andere hohe Beamte waren dem habsburgischen Hause ergeben, aber die Autorität des Kanzlers spottete aller ihm widerstrebenden Bemühungen. Es wird nicht bloß die Heirath zu stande kommen, schreibt Lobkowitz nach Wien, sondern auch das schon in der Luft schwebende baierisch-französische Bündniß wird perfect werden, wenn es nicht gelingt, den allmächtigen Kanzler Schmid für des Kaisers Sache zu gewinnen! Allein die Vorstellungen, wodurch Lobkowitz den Kanzler von seiner unpatriotischen Haltung zurückbringen wollte, blieben lange Zeit ebenso erfolglos, wie die Versuche, die Uebermacht Schmid’s zu brechen. Erst als der junge Kurfürst selbst, der schon im Mai 1680, wie Lobkowitz nach Wien berichtete, vor Zeugen sich verschwor, der Teufel möge ihn holen, wenn er je eine Französin heirathe, die Zügel der Regierung ergriff, bahnte sich allmählich ein Umschwung an. Im März 1681 traf Kaiser Leopold mit Max Emanuel in Altötting zusammen; der junge Kurfürst war über die Aufnahme, welche er beim Kaiser fand, hocherfreut und gelobte, den vom Kaiser geschenkten Degen „nur zu des Kaisers defension gebrauchen zu wollen“, – eine Erklärung, die besonders werthvoll war, da die zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich infolge der rechtswidrigen Reunionen Ludwig’s XIV. eingetretene Spannung jeden Tag zum Krieg führen konnte. Doch ist des Jesuiten Franz Wagner Mittheilung, daß zu Altötting auch die Verlobung des Kurfürsten mit Erzherzogin Marie Antonie und ein Particularbündniß zwischen Oesterreich und Baiern verabredet worden seien, völlig unrichtig. Der Kurfürst trug sich damals mit dem Gedanken, eine Tochter des Herzogs Hans Georg von Sachsen-Eisenach, also die Tochter eines protestantischen Hauses, heimzuführen, und der Kanzler S. und die französische Partei, auch die Jesuiten des Münchener Collegiums begünstigten dieses Project. Da sich aber die Eltern der Prinzessin weigerten, zum Uebertritt ihrer Tochter zum Katholicismus ihre Zustimmung zu geben, erhob Papst Innocenz XI. Protest gegen jede Fortsetzung der Verhandlungen; um zu verhüten, daß das baierische Kurhaus in Familienverbindung mit Lutheranern trete und dadurch die Glaubenseinheit Baierns gefährdet werde, suchte die Curie den Kurfürsten für eine Vermählung mit der Tochter Kaiser Leopold’s, die als rechtmäßige Erbin der spanischen Monarchie gelten könne, zu gewinnen. Da gegen den Willen und ohne die Erlaubniß des Papstes an die Ehe mit der sächsischen Prinzessin nicht zu denken war und das angeregte Project so glänzende Aussichten eröffnete, hielt es nicht schwer, den Kurfürsten damit zu befreunden. Dazu kam, daß die Wegnahme der Reichsstadt Straßburg vom Kurfürsten sehr mißfällig aufgenommen wurde, – ließ sich doch sogar Kanzler S. „äußerlich vermerken, daß er diese französische Procedur ganz nicht billigen könne“. Max Emanuel trat in geheime Unterhandlungen mit dem kaiserlichen Hofe wegen Beitritts zum Haager Bündniß ein, und am Umschwung der baierischen Politik war kaum noch zu zweifeln, als mit Umgehung des Franzosenfreundes S. der kaiserlich gesinnte Rath Leyden mit den geheimen Verhandlungen in Wien betraut wurde. Am 17. Februar 1682 wurden die Präliminarartikel eines Allianzvertrags vom Kurfürsten unterzeichnet, doch fuhr der österreichische Gesandte fort, zu versichern, das Abkommen entbehre der Festigkeit, solange der Kanzler S. im Amte bleibe. Erst ein volles Jahr später, am 23. Jänner 1683 gelangte die „Defensiv-Allianz sowohl gegen der Türcken, als andrer zustoßender gefahr“ zu glücklichem Abschluß, und nun glaubte Graf Kaunitz auch den letzten, entscheidenden Schritt wagen zu dürfen: er verlangte als höchsten Beweis der Reichstreue des Kurfürsten die Entfernung des Kanzlers. Max Emanuel willigte ein, und am 27. Februar 1683 erging an S. ein Decret, daß ihm „aus gewissen erheblichen Ursachen“ befahl, sich „dermahlen und bis auf weitere gnädigste resolution von allen publicis und was davon dependiret, sowol im Rhat, als in der gehaimben Canzlei bey der Expedition völlig zu enteußern“. Darauf bat S. umgehend um seine Entlassung; da er einsehe, daß die „Schwätzerei“, der er zum Opfer gefallen sei, „gar zu fest radiciert“ sei, so bitte er, Kurfürstliche Gnaden möchten ihn „pro emerito erklären und als einem alten 34jährigen Karrengaul für die kurze Zeit seines Lebens dasienige noch gnedigist vergonnen, war er bishero zuer Besoldung und sonsten genossen hab“, dagegen wolle er denjenigen, die ihm „den heutigen Herzstoß procuriret“, von Herzen vergeben. Der Kurfürst entsprach dieser Bitte, ja, er fügte sogar hinzu, S. möge ihn auch mit seinem wohlbewährten Rath unterstützen. Ob sich die „Schwätzerei“ auf den angeblichen Verrath bezog, dessen sich S. „Gallico advocato similior quam Germanicae aulae ministro“, schuldig gemacht haben soll, indem er dem König von Frankreich den Rath gegeben habe, Truppen gegen Baiern zu senden, um den zu Oesterreich hinneigenden Fürsten durch Furcht zum Gehorsam zurückzubringen, ist nicht festzustellen; glaubwürdig ist Wagner’s Angabe schon deshalb nicht, weil in der Correspondenz der kaiserlichen Gesandten, die sich im übrigen so bitter über S. zu beklagen pflegen, von solchem Verrath keine Rede ist. Auch war die Ungnade des Kurfürsten nicht von langer Dauer. 1684 richtete S., der sich nach seinem Schlößchen Schönbrunn bei Dachau zurückgezogen hatte, „ex lecto“ an den Kurfürsten die Bitte, es möge erlaubt werden, daß sein Sohn Franz Kaspar, der schon vor vierthalb Jahren zum Hofrath ernannt worden sei, diese Stelle wieder antrete; es falle ihm schwer, das Gesuch zu stellen, „aus Ursach, wie der Herr David beklagt: quia praevalerunt adversus me inimici mei, et ut alibi dicitur: odio habuerunt me gratis“, trotzdem wage er die Bitte, da er vor seinem Tod den Trost haben möchte, wenigstens eines seiner Kinder versorgt zu sehen. Der Bitte wurde entsprochen, auch „in Ansehung der vom Vater geleisteten, langwierigen, treuen Dienste“ die Hofrathsbesoldung gewährt, ja, der Kurfürst wiederholte die Bitte, daß ihm sein bewährter Rathgeber auch ferner an die Hand gehen möge. „Ob ich zwar“ – erwiderte S. – „meines theils zimblich schwere Laibszueständt habe, so ist doch der Kopf noch allerdings guet und stehet dahero zur Eurer Churfürstlichen Durchlaucht gnedigsten disposition.“ Als sich die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Wien und München wieder gelockert hatten, war bei Hofe, wie Villars 1687 seinem König berichtet, die Ansicht verbreitet, der emeritirte Kanzler werde wieder an seinen Posten berufen werden. Es kam jedoch nicht dazu, angeblich – General Florimond erzählte dies später dem Hofbibliothekar v. Oefele – weil S. selbst es ablehnte und sein körperliches Leiden vorschützte. Nach Mittheilung Florimond’s, der den Kanzler noch persönlich kennen gelernt hatte, „il trouva un air bourgeois, des cheveux mal peignez, l’esprit fin et actif, le coeur tout français“. S. zählte auch zu den bedeutendsten Juristen seiner Zeit; in den „Commentarii ad jus municipale Bavaricum“ (17l5) erscheint er als Vorläufer der Kreittmayer’schen Reformen. Die Familie S. auf Haselbach und Pürnbach erlosch zu Anfang unseres Jahrhunderts.
kerle schrieb am 4.1. 2016 um 21:17:44 Uhr zu
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Sommaruga, Franz Freiherr (Abgeordneter des Frankfurter Parlaments, staatswissenschaftlicher Schriftsteller, geb. zu Wien am 5. März 1815). Aeltester Sohn des Vorigen, trat er, nachdem er die juridischen Studien an der Wiener Hochschule beendet hatte, am 22. December 1835 als Auscultant beim niederösterreichischen Landrecht in den Staatsdienst, war vom Jahre 1840 an als Actuar der Gesetzgebungs-Hofcommission bis 1846 mit legislativen Arbeiten beschäftigt und wurde sodann Rath beim Mercantil- und Wechselgericht. Nachdem er sich schon früher mehrfach in Vereinen am politischen Leben betheiligt hatte, erhielt er 1848 bei Ausbruch der Bewegung mit Schmerling die Mission als Vertrauensmann an den Bundestag zu Frankfurt behufs Berathung eines Entwurfes zur deutschen Bundes-Verfassung, wurde sodann zu Eger als Deputirter des deutschen Parlaments gewählt, wo er unter den österreichischen Abgeordneten einer der hervorragenden gewesen. Hier blieb er bis Mai 1849 und setzte sich während dieser Zeit als eines der Häupter der sogenannten großdeutschen Partei der Bildung des deutschen Erbkaiserthums entgegen. Nach Vollendung des Entwurfes der deutschen Reichsverfassung nach Oesterreich zurückgekehrt, trat er als Oberlandesgerichtsrath in das Justizministerium Schmerling, nahm Antheil an der Justiz-Organisation in Ungarn und dessen Nebenländern, trat 1851 zugleich mit Schmerling aus der Stellung im Ministerium zurück und führte in Niederösterreich die Schwurgerichte ein, nach deren Aufhebung er theils bei dem Wiener Landes-, theils bei dem Handelsgerichte thätig war. Unter Bruck als Sectionsrath in das Finanzministerium eingetreten, wurde er von diesem mit verschiedenen finanziell-diplomatischen Unterhandlungen betraut. Nach Bruck’s Tode (1860) wurden ihm die ganzen, den neuen constitutionellen Einrichtungen entsprechenden Budget-Angelegenheiten, sowie jene der obersten Rechnungscontrole übertragen, und dienen seine Arbeiten noch gegenwärtig dem ganzen Budget- und obersten Rechnungscontrolwesen als Basis. Im Jahr 1867 wurde er unter Becke in Folge des von seiner Seite gegen die dualistische Gestaltung des Reiches erhobenen Widerspruches in den Ruhestand versetzt, in welchem er zur Stunde noch sich befindet. S. vermälte sich zu Wien am 18. Mai 1841 mit Henriette von Kleyle. Die aus dieser Ehe vorhandenen Kinder und Enkel sind aus der Stammtafel ersichtlich. Als Schriftsteller war S. mehrfach thätig. Die Titel der von ihm im Drucke erschienenen Arbeiten sind: „Oesterreichs Zukunft und dessen Stellung in Deutschland“ (Wien 1848); – „Die Grundzüge der Gerichtsverfassung für die Länder der österreichischen Monarchie“ (1849); – „Ueber Errichtung von Handelsgerichten in Oesterreich; eine Denkschrift, dem Justizministerium übergeben“ (1849); –„Die neue Wiener Börsen-Ordnung“ (1855); – „Der Ausgleich mit Ungarn, vom österreichischen Standpuncte beleuchtet“ (1867); – „Der heutige Stand der Bankfrage mit Beziehung auf die beabsichtigte Vereinbarung mit Ungarn.“, abgedruckt in den Flugblättern des Vereines für volkswirthschaftlichen Fortschritt in Wien (1868); – „Grundzüge zur Regelung der österreichischen Finanzen. Van einem praktischen Fachmanne“ (1868); – „Die Besteuerung der österreichischen Eisenbahnen“ (1875). Die vorgenannten Schriften sind meist ohne Namen des Verfassers erschienen. Im Jahre 1844 brachten die Frankl’schen „Sonntagsblätter“ die Mittheilung, daß eine von Baron Sommaruga bearbeitete Criminalstatistik Oesterreichs, welche dem Grafen Taaffe zugeeignet war, der Veröffentlichung entgegensehe. Eine solche war nie erfolgt, und zwar erlag das 20 Bogen starke Manuscript dem Censurszwange. Jahrelang zogen sich die Verhandlungen über dieses Erstlingswerk Sommaruga’s, wofür Graf Taaffe sich persönlich interessirte, hin und endeten mit der Verweigerung der Druckbewilligung, während der Autor als „bedenklicher Mensch“ in die Register der Polizei eingetragen wurde. Als einige Jahre später die Censur aufgehoben wurde, waren die statistischen Daten veraltet und lag zunächst Dringenderes vor, als der Druck statistischer Werke. Franz Freiherr von Sommaruga ist mit Henriette, geborene von Kleyle, einer Tochter des erzherzoglichen Hofraths Franz Joachim Ritter von Kleyle [Bd. XII, S. 83] und Schwester Karl Ritters von Kleyle [Bd. XII, S. 85], vermält, aus welcher Ehe drei Söhne und eine Tochter [siehe die Stammtafel] entstammen. Von den Söhnen ist Guido (geb. 22. Jänner 1842) Doctor der Rechte, Hof- und Gerichtsadvocat und Gemeinderath der Stadt Wien; – Erwin (geb. 26. September 1844) ist Doctor der Philosophie und Adjunct für die Lehrkanzel der Chemie an der Wiener Hochschule. In seinem Fache schriftstellerisch thätig, hat er in den Sitzungsberichten der mathematisch-naturwissenschaftlichen Classe der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften die Abhandlungen: „Ueber die Aequivalente von Kobalt und Nickel“ und die „Analyse des Minerals Szajbelyit“ veröffentlicht; – der dritte Sohn Hugo (geb. 29. Jänner 1858) ist gleichfalls Doctor der Philosophie und hat sich der Oekonomie zugewendet. Er ist Verfasser einer Monographie „Ueber Städtereinigungssysteme“ (Halle 1874).
conraddampfer schrieb am 4.8. 2013 um 20:06:54 Uhr zu
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Sie werden sich daher denken können, daß ich nicht zögerte, die Bekanntschaft des mysteriösen Grafen zu suchen, der sich im Augenblick in Paris aufhält. Er hat meine kühnsten Erwartungen weit übertroffen. Ich kam zu später Stunde in bürgerlicher Kleidung und vollkommen maskiert zu ihm. Ohne einen Augenblick zu zögern, begrüßte er mich mit tiefer Verbeugung als den Kardinal Rohan und hatte, ehe ich noch ein Wort zu sagen vermochte, meinen Charakter, meine Wünsche und Neigungen, ja die geheimsten Ereignisse aus meiner Vergangenheit so detailliert beschrieben, wie ich sie mir selbst kaum je einzugestehen gewagt hatte. Diese Beweise seiner phänomenalen Fähigkeiten hätten schon genügt, meine Zweifel zu zerstreuen; aber was ich dann noch erlebte, machte mich zu seinem Adepten. Ich traf am nächsten Tage die Gräfin Bethune bei ihm, und ich sprach mit ihr, als wäre sie niemals taub gewesen; ich sah mit meinen eigenen Augen einen armen gelähmten Bettler, den er gehen hieß wie einen leichtfüßigen Jüngling, und ein blindes kleines Mädchen, dem er mit einem Hauch seines Mundes die Augen öffnete. Als ihn am Abend die Menge der Kranken verlassen hatte, – ihr heißer Dank war der einzige Lohn, den er annahm! –, hielt er mich noch zurück.
Kind schrieb am 14.12. 2015 um 16:17:18 Uhr zu
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Dieser ist in dem Zeit-Lauf, davon wir dermalen handeln, immerzu ohnverändert und immer geblieben, nemlich Wißbaden. In den schriftlichen Urkunden des 11, 12 und einiger folgenden Jahrhunderten nach Christi Geburt, deren einige in den Maintzischen Geschicht-Schreibern und andern Schriften der damaligen Zeiten vorkommen, wird er zwar verschiedentlich ausgedrucket; denn da heisset unsere Stadt, sowohl in der Teutschen, als Lateinischen Sprache: Wisibadun, Wesebadon, Wesebaden, Wisibada, Wisebadin, Wisibad, Wissebad, Wissebaden, Wisebaden, Wiesebaden, Wysebaden, Wyspaten etc. Es ist aber alles dieses nur eigentlich ein einiger Grund-Nahme, nemlich: Wißbaden; welcher Nahme aber nach den verschiedenen Zeiten, und nach der verschiedenen Mund-Art eines jeden, der ihn auszusprechen und zu schreiben gehabt hat, auch verschiedentlich ist ausgesprochen und geschrieben worden. Wie er denn auch selbst in der neuern Zeit, darin doch die Teutsche Sprache fast durchgängig immer reiner und ständiger worden, gleichwohl immer noch verschiedentlich ausgesprochen wird, und insbesondere, so gar auch in öffentlichen Schriften, mehrmalen Weißbaden genennet zu werden pfleget. Welches denn Anlaß gegeben, daß verschiedene Frantzosen in ihren Schriften denselben durch Bain blanc, das ist, weisses Bad, ausgedrucket haben. Es kommt aber all dieser Unterschied bloß allein, wie gesaget, von den unterschiedenen Zeiten und Leuten her, und bleibet, dem allen ohngeachtet, der eigentliche Nahme unserer Stadt kein anderer als: Wiesbaden oder Wißbaden, und am kürtzesten, Wißbad, Lateinisch aber Wisbadena; welcher Nahme, wie bereits oben in der ersten Abtheilung angezeiget worden, ohnstreitig, nach Ausweisung der Sache selber, seinen Ursprung von den Wiesen, darin die Bad-Gegend der Stadt lieget, und von den darin befindlichen Bädern, genommen hat. Und ist anmerckungs–würdig, daß dieser Nahme Wißbaden sich vormals in Wißbaden selber immerzu nach dem Worte: Wiesen, und dessen im Gang gewesenen Aussprache, gerichtet hat. Z. E. wenn in dem 14 und 15 Jahrhundert in Wißbaden, laut der alten Wißbadischen Stadt-Schriften, die Gras-Plätze nicht Wiesen, sondern Wesen sind genennet worden, so wird unsere Stadt auch in solchen alten Schriften gemeiniglich Wesenbaden genennet. Und wenn nachmals in dem 16 Jahrhundert die Gras-Plätze Wysen und Wiesen in solchen Urkunden heissen, so heisset auch unser Ort daselbst Wyse- und Wiesebaden; zu einer ziemlich-deutlichen Anzeige, daß das Wort Wiese, nebst dem Worte Bad, die rechte eigentliche Grund- und Ursprungs-Wörter des Nahmens Wißbad seyen. Uebrigens ist weiter kein Ort, so viel sich aus den öffentlichen Land- und Städte-Beschreibungen ersehen lässet, in Teutschland befindlich, welcher gleichen Nahmens mit unserm Wißbaden führet, ausser in Meissen. Denn daselbst findet sich ein kleiner Ort, welcher Wiesenbad, wie auch Hiobs-Bad genennet wird, und mit einem Gesund-Bad, das aber wenig Hitze besitzet, versehen ist. Es hat solches erst im Jahr 1501 seinen Anfang genommen.
kurt.W schrieb am 24.5. 2014 um 12:11:05 Uhr zu
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No. IV und VI waren in stetigem Gebrauch, als die Oberlausitz 1635 an Kursachsen abgetreten ward. Und so nahm denn Kurfürst Johann GeorgI. in sein neues grosses Siegel, das die Jahrzahl 1637 trägt, den Schild mit den drei ganzen Zinnen und mit den Mauerstrichen auf. Zwischen einer inneren Rundung, in deren Mitte der Kurfürst zu Ross, und zwischen der Umschrift zieht sich ein Kreis von dicht aneinander gestellten Wappenschilden; darunter ist rechts (nicht heraldisch) von oben das zweite das mit der Zinnenmauer. Auf dem kursächsischen Gesammtwappen aber waren die Einzelwappen in drei Reihen gestellt, und in der mittelsten Reihe das dritte, innerhalb dessen der Herzschild mit den Kurschwertern, ist das der Oberlausitz. So erscheint denn nun die oberlausitzische Mauer (und ebenso der niederlausitzische Ochs) seit 1638 auch auf den kursächsischen Doppelthalern. Diese Stelle nimmt dasselbe noch auf einem kursächsischen Gesammtwappen von 1796 ein. Ueber diesem Gesammtwappen steht eine ganze Reihe von Helmen: links (nicht heraldisch) der erste ist der mit dem Adlerflug, dem oberlausitzischen Helm-Kleinod. So ging Wappen, Helm und Kleinod auch in die Gesammtwappen der sächsisch-albertinischen Nebenlinien Sachsen-Merseburg und Sachsen-Zeitz über.